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Rock-Pantheon:Männerwirtschaft

n.w.a.

N.W.A in den 80ern. Vorne: Dr. Dre und der 1995 verstorbene Eazy-E (mit weißen Schuhen). Hinten rechts: Ice Cube.

(Foto: PR)

Ärger um die Neuzugänge in der Rock and Roll Hall of Fame: Rockfans regen sich darüber auf, dass 2016 die Rap-Combo "N.W.A" aufgenommen werden soll. Derweil gerät fast in Vergessenheit, dass mal wieder keine einzige Frau zu den Geehrten gehören wird.

Wie jedes Jahr werden auch 2016 wieder Musiker und Bands für ihre Lebensleistung in die Rock and Roll Hall of Fame in Cleveland, Ohio aufgenommen werden. Die Neueingänge wurden gerade verkündet: Steve Miller, Cheap Trick, Chicago, Deep Purple und N.W.A. Also viel Rock und Blues, und einmal Hip-Hop.

Letzteres sorgt für Diskussionen: Gehören Rapper in die Rock and Roll Hall of Fame? Aber sicher. Zumindest, wenn man es mit Ahmet Ertegün hält, dem legendären Plattenmanager, der die Hall of Fame 1983 ins Leben rief. Stilistisches Scheuklappendenken war ihm fremd. N.W.A aus Los Angeles gelten als Erfinder des Gangsta-Rap, ihre Chefs Dr. Dre und Ice Cube brachten in diesem Jahr mit "Straight Outta Compton" erfolgreich ihre eigene Geschichte ins Kino. Dass sie geehrt werden, hätte Ertegün mutmaßlich selbstverständlich gefunden.

Die Rockfans aber, die gerade im Internet - etwa auf der Website des amerikanischen Rolling Stone - ihre Wut über die Entscheidung auslassen, sehen es anders. Und schließen an die Debatte an, die Kiss-Bassist Gene Simmons vor zwei Jahren anstieß, als er gegen die Aufnahme von Hip-Hop-Stars wetterte, weil die doch nur samplen und reden, aber weder singen noch Gitarre spielen. Das sei kein Rock and Roll.

Wer diese Diskussion eher uninteressant findet, noch dazu, weil in den letzten Jahren durchaus immer mal wieder Rapper aufgenommen wurden (von Grandmaster Flash & The Furious Five 2007 bis Public Enemy 2013), könnte sich an einer anderen Diskussion beteiligen: der um die Geschlechterbalance. Bislang liegt der Frauenanteil in der Rock and Roll Hall of Fame bei sensationell niedrigen neun Prozent. Mit den fünf Neuzugängen 2016 - allesamt Männer - wird er noch sinken. Nominiert waren zwar auch Janet Jackson und Chaka Khan, doch keine von ihnen wurde ausgewählt. Im Jahrgang 2015 schaffte es mit Joan Jett immerhin eine Frau in die heiligen Hallen.

© SZ vom 18.12.2015
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