"Rock of Ages" im Kino Im Rausch der Nostalgie

"Journey", "Foreigner" und "Def Leppard" liefern den Sound für einen Auftritt von Tom Cruise als Verschnitt aus Axl Rose und Keith Richards. Adam Shankman hat aus dem funkelnden Broadway-Erfolg "Rock of Ages" ein hitziges Achtziger-Jahre-Märchen mit schrägen Typen und ihren Hiteinlagen gemacht. Nur Catherine Zeta-Jones will dem wüsten Treiben Einhalt gebieten.

Von David Steinitz

Wer die wildesten amerikanischen Träume erzählen kann, das war schon immer ein verrückter Wettbewerb zwischen dem Broadway und Hollywood, zwischen Ost- und Westküste.

Alten Helden dicht auf den Pelz gerückt - Alec Baldwin und Tom Criuse in "Rock of Ages". 

(Foto: Warner / AP)

Seit der Tonfilm auch dem Kino das Singen und Tanzen ermöglichte, bedienen sich die großen Filmstudios ungeniert bei den begehrten Shows oder lassen sich von ihnen inspirieren. Mit dem legendären Busby Berkeley und seinen Revuen fing das an, in den Dreißigern, später kam Gene Kelly mit "Singin' in the Rain", zuletzt sorgten Disneys "High School Musicals" und der Abba-Hit "Mamma Mia" für ein großes Musical-Revival im Kino, im TV folgte die Show-Serie "Glee".

Und nun kommt "Rock of Ages", eine funkelnde, überdrehte Hommage an die pathetische Hardrock-Ära der späten Siebziger, das Musical ist seit gut sechs Jahren ein irrer Erfolg in Amerika. Den Film hat Adam Shankman inszeniert, der schon "Hairspray" ins Kino holte, als hitziges Achtziger-Märchen, ein Rausch der Nostalgie.

Die junge Sherrie (Julianne Hough, musical-erprobt seit dem 2011er "Footloose"-Remake) kommt - pures Americana - aus dem tiefsten Mittleren Westen mit dem Greyhound-Bus ins glitzernde, grenzenlose L. A., 1987, im Gepäck die Lieblingsplatten: Def Leppard, Journey, Foreigner . . .

Hollywood in den Achtzigern, das ist der ultimative Glamour, in diesem Jahrzehnt musste sich die Unterhaltungsindustrie brutal aufplustern, pompös werden, um das Kino und die Konzertshows attraktiv zu machen für die verwöhnten Kids der ersten Videospielgeneration. Die harten Exzesse der Siebziger wurden, behutsam, fürs Massenpublikum zugänglich gemacht: die Musik schluckte die Punk-Attitüden, zog sie hinein in ihre unermüdliche, übersteigerte "The show must go on"-Maschine.

Diesen überkommenen Rock verehrt auch die verträumte Sherrie, sie heuert, verzaubert von den Lichtern der Großstadt, im angesagten Club Bourbon Room als Bedienung an - will aber natürlich eigentlich Sängerin werden. Dort verliebt sie sich in ihren Kollegen, den niedlichen Wuschelkopf Drew (Diego Boneta), der natürlich auch eigentlich Sänger werden will.

Doch diese Romanze - ein erster Kuss unter den legendären Hollywood-Lettern in den Hügeln - und ihre Querelen sind nur eine dramaturgische Klammer: Bei Regisseur Shankman steht vor allem die Show-Ethnologie im Mittelpunkt, die vielen schrägen Typen mit ihren Hiteinlagen, für die er eine bunte Besetzung aus Superstars zusammen getrommelt hat: Catherine Zeta-Jones spielt die biedere Bürgermeistergattin Patricia, die dem wüsten Treiben im Bourbon Room Einhalt gebieten will, im braven, cremefarbenen Dress; Tom Cruise, vollkommen überdreht, wie immer auf der Suche nach neuen Rollen-Exzessen, ist Stacee Jaxx, ein Krieger von einem Rockstar, unerbittlich desolat, synthetisiert aus den großen Legenden Axl Rose und Keith Richards. Besonders lustvoll zelebrieren auch Alec Baldwin als versoffener Bourbon-Room-Besitzer - er ist gerade im Comedy-Fieber, bald ist er im neuen Woody Allen zu sehen - und Paul Giamatti als geldgeiler Rockmanager ihre Auftritte.

Doch zu nah an Hollywood

Diese wilde Truppe gibt sich wunderbar obsessiv und drängt das junge verliebte Pärchen zur Seite, das sich mit "Don't Stop Believing" in die Vergangenheit singt. Der "Appetite for Destruction", den Guns N' Roses damals, 1987, mit ihrem Debütalbum in die Welt schrien, er hat in der nostalgischen Rückschau stark gelitten. Am Ende war dieser Rock vielleicht doch zu nah dran gewesen an Hollywood.

ROCK OF AGES, USA 2012 - Regie: Adam Shankman. Buch: Justin Theroux, Allen Loeb, Chris D'Arienzo. Kamera: Bojan Bazelli. Mit: Julianne Hough, Diego Boneta, Tom Cruise, Alec Baldwin, Paul Giamatti. Warner, 123 Minuten.