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Rock im Revier und Rockavaria:Familienfreundliche Festival-Idylle

Rockavaria Rock nach Regeln Bilder
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Rockavaria im Olympiapark

Rock nach Regeln

Ein Festival mit Camping-Verbot und Sitzenbleiben: Drei Tage lang war der Olympiapark Bühne für das "Rockavaria". Das musikalische Resümee fällt solide aus, die Besucher wundern sich aber über ungewöhnliche Vorgaben.

  • Mit den Festivals Rock im Revier in Gelsenkirchen und Rockavaria in München startet die börsennotierte Deutsche Entertainment AG (Deag) in den Festivalmarkt - ein Unterfangen mit Risiko.
  • Nach Krach mit den Betreibern des Nürburgrings und einem kurzfristigen Umzug nach Schalke stellte sich die Frage, wie die neuen Festivals ankommen.
  • Die Band standen am Ende teils ziemlich einsam auf der Bühne - eine sehr spezielle Festival-Atmosphäre.

Helga ist nach Gelsenkirchen umgezogen. "Helga!" schreien die sechs Betrunkenen und stürmen los. "Helga!" antworten die beiden Männer in den Metal-Kutten, jenen Jacken, die vollgenäht sind mit den unleserlichen Logos vermutlich unhörbarer Bands. Dann wird mit Plastikbechern vangestoßen. "Helga" existiert nicht, der Ruf ihres Namens ist ein alter Witz auf Rockkonzerten - und untrügliches Zeichen, dass die Festivalsaison begonnen hat. Helgas Freunde stehen vor der Open-Air-Bühne neben der Gelsenkirchener Arena, im Hintergrund singt der Sänger der Band Eisbrecher im Kapitänsoutfit zu harten Gitarren. Im und um das Stadion, in dem sonst der FC Schalke 04 spielt, findet zum ersten Mal Rock im Revier statt.

Mehr als 60 Bands an den drei Tagen treten auf, von den geschminkten Herren von Kiss bis zu Babymetal: drei jungen Japanerinnen im Schulmädchen-Outfit, die den überdrehten Pop ihrer Heimat mit Heavy Metal mischen und das offenbar ernst meinen.

"Rock im Revier"

Mit Metallica auf Schalke

"Auf einem Festival erwarte ich 70 000 Besoffene, die campen"

Dass es dieses Festival hier gibt, war vor drei Monaten noch nicht absehbar. Da sollte es noch auf dem Nürburgring stattfinden, unter dem Namen Grüne Hölle. Mit dieser Veranstaltung, dem Rockavaria in München und Rock in Vienna plante die börsennotierte Deutsche Entertainment AG (Deag) einen "massiven Eintritt in den Festivalmarkt" und damit einen "Wachstumsschub", so hieß es in einer Erklärung vom vergangenen November. "Einen profitablen Zusatzumsatz von 30 Millionen Euro im Jahr 2015" versprach sich der Konzern aus Berlin.

Rockfestival ´Rock im Revier" - Metallica

Geht doch: James Hetfield und Kirk Hammett von Metallica schafften es, Fans bei Rock im Revier auf Schalke (und auch in München) mitzureißen.

(Foto: Friso Gentsch/dpa)

Doch das Geschäft mit Festivals für Zehntausende Menschen ist risikoreich. Große Bands bekommen horrende Garantiegagen, teils in Millionenhöhe. Für gewöhnlich beginnen sich solche Festivals zu rechnen, wenn der größte Teil der Tickets verkauft ist, zum Normalpreis von 150 bis 200 Euro für drei Tage.

Die Expansion der Deag war auch eine Kampfansage an einen der Größten auf dem Markt der Konzertveranstalter: die Frankfurter Agentur von Marek Lieberberg, die jahrzehntelang Rock im Park in Nürnberg und Rock am Ring auf dem Nürburgring ausrichtete. Mit den Ring-Betreibern hatte Lieberberg sich im vergangenen Jahr nicht auf einen neuen Vertrag geeinigt. Die Deag mit ihrem Vorstandsvorsitzenden Peter Schwenkow sprang ein und versprach ein aufregendes Festival.