Robbie Williams und Take That Weiter, immer weiter

Der große Entertainer: Alkoholprobleme, Fettsucht, Depression und Karriereabstürze gehören zu Robbie Williams' Leben genauso wie der bedingungslose Wille zu unterhalten.

Von Niklas Hofmann

"Mr. Bojangles" war nicht der größte Hit aus Robbie Williams' Swing-Konzert in der Londoner Royal Albert Hall. Aber in keinen anderen Song hat er damals so viel Gefühl gelegt, wie in die durch Sammy Davis jr. zum Klassiker gewordene Nummer über den gealterten Straßen-Entertainer, dem das Leben und der Alkohol übel mitspielten, und der doch selbst in der Gefängniszelle noch alle mit seinen Tanzschritten in Verzückung versetzte.

Sein Entertainer-Gen war immer stärker als seine Drogenprobelme: Jetzt ist Robbie Williams zu seiner Band Take That zurückgekehrt.

(Foto: ddp)

Im Knast saß Robert Peter Williams, 36, noch nicht, ansonsten passt der Song heute fast noch besser zu ihm als vor knapp neun Jahren. Alkoholprobleme, Fettsucht, Depression und Karriereabstürze gehören zu diesem Leben genauso wie der bedingungslose Wille zu unterhalten. Der nun erfolgte Wiedereintritt bei Take That, der erfolgreichsten Boygroup der Popgeschichte, die er 1995 wütend verließ, ist deshalb auch nicht würdelos, sondern einfach konsequent. Die Show muss weitergehen, und sei es mit dem Männerchor.

"Es ist, als käme ich nach Hause", lässt er sich in der Pressemitteilung zitieren. Ein neues Album der Gruppe ist bereits aufgenommen und soll im November erscheinen. Zum ersten Mal war Take That im vergangenen September wieder in voller Besetzung in New York aufgetreten. Spätestens seitdem zeichnete sich ab, dass die Karrierewege des zeitweise erfolgreichsten europäischen Musikers und seiner früheren Band wieder zusammenfinden würden.

Als Robbie Williams 1995 bekanntgab, er habe sich von Take That getrennt, löste er Massenhysterien aus. In Wahrheit kam bald ans Tageslicht, wie sehr sich das Nesthäkchen Robbie und der musikalische Kopf der Band, Gary Barlow, jahrelang gestritten hatten. Eine mediale Schlammschlacht und ein erster Absturz in Drogen und Alkohol folgten.

Doch Robbie Williams' ererbtes Entertainer-Gen erwies sich als stärker. Unter dem Künstlernamen Pete Conway war schon sein Vater als Alleinunterhalter in Pubs und Hotelbars in der Umgebung des nordenglischen Stoke-on-Trent aufgetreten, und diesen Wurzeln verdankt Robbie Williams als Solokünstler mehr als den Produktionsschemata der Pop-Fabriken, durch die Take That von 1990 an groß wurden.

Der Aufstieg in den Pop-Olymp begann, als er sich 1997 mit dem Songwriter und Produzenten Guy Chambers zusammentat. Die gemeinsamen Hits wie "Angels", "Let Me Entertain You" und "Millennium" waren brilliante Songs. Die erste Hälfte des vergangenen Jahrzehnts erlebte er auf dem Höhepunkt seines Ruhms, füllte Stadien, sammelte Musikpreise in Serie ein und wurde gar als James-Bond-Darsteller gehandelt. Dann trennte er sich überraschend von Guy Chambers - mit musikalisch beklagenswerten Folgen.

Zur gleichen Zeit als Robbie Williams' Karriere kippte, feierten die vier übrigen Take-That-Mitglieder eine überraschend erfolgreiche Rückkehr in die Plattenläden und auf die Bühne. Auf ausverkauften Konzerten kreischten allerdings keine Teenie-Mädchen mehr, sondern Frauen aus der Generation "Sex and the City".

Sei's drum, die Show muss weitergehen.

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