bedeckt München

Serie: "Licht an" mit Steffen Kopetzky:In die Tonne

Der Schriftsteller Steffen Kopetzky.

(Foto: Marc Reimann)

Wer Angst vor dem Sterben hat, sollte sich eine weitere Angst besorgen - beide Ängste können dann gegeneinander antreten. Wie ich das Eiswasser entdeckte.

Gastbeitrag von Steffen Kopetzky

Meist bin ich vor dem Klingeln des Weckers wach. Da aber gerade die Fahnen meines neuen Romans eingetroffen sind, übe ich Duldsamkeit gegenüber meiner alten Leidenschaft, noch ein bisschen liegen zu bleiben. Die Sonne steht, wo sie im Juni um 14 Uhr wäre, nur tiefer. Dann ist es so weit. Ich schlage die Decke zurück, setze mich auf, atme tief ein. Ich bereue dann für einen letzten Moment, aus dem Bett zu sein und dem Protokoll zu folgen. Aber dieses ist so einfach, dass meine Ängste überrollt werden. Durch den Wintergarten auf die Terrasse. Ich nehme den Deckel von der Tonne, sehe die feine Eisschicht, auf der die Dezembersonne glitzert. Die Eisschicht entsetzt und begeistert mich. Jetzt packe ich den Schlegel aus Blutpflaumenholz, zerschlage das Eis, und dann steige ich hinein. Bis zum Hals. Die kleinen Eisschollen klirren leise und nah an meinen Ohren.

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