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Nachruf auf Ricky Powell:Chronist des Hip-Hop

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Ricky Powell war der Adabei von Downtown Manhattan. Sein Transistorradio hingt meist am Handgelenk, spielte Jazz und Sport. Und die Pose? Verstand jeder.

(Foto: Johnny Nunez/WireImage)

Proto-Hipster, "vierter Beastie Boy" und mit seiner Kamera immer überall dabei. Der New Yorker Fotograf Ricky Powell ist im Alter von 59 Jahren gestorben.

Von Andrian Kreye

Am Montag haben sie Ricky Powell tot in seiner Wohnung gefunden. The Rickster. The Lazy Hustler. Straßenfotograf, Chronist des Hip-Hop und von Downtown Manhattan. Sein Apartment in einem der altmodischen Mietshäuser des Greenwich Village war eine Wunderkammer der Popgeschichte. Er liebte es, einen dort durch Stapel von Fotos, Büchern, Platten, Kassetten, Flyer zu leiten. Aus so einem Nachmittag wurde dann oft der Abend. Und schon war man in seinem Zeitstrom, der sich nicht so sehr nach irgendeinem Alltag als nach dem Rhythmus der Stadt richtete.

Als Ricky Powell im Spätsommer 1986 in der Entourage der "Raising Hell"-Tournee der ersten Hip-Hop-Superstars in London aufschlug, hatte er sich das Ticket noch selbst gekauft. Er war eigentlich Eisverkäufer und Fahrradkurier. Aber weil er Adam "Ad-Rock" Horovitz von den Beastie Boys noch aus der Schule kannte, gehörte er sofort dazu. Inkarnation der Lässigkeit. Für einen jungen deutschen Reporter war er der Türöffner zu den Beasties, zu Run DMC, LL Cool J und Whodini.

Auf der Tour entstanden die ersten seiner legendären Bilder. In einer Zeit, in der Rapper noch vor Graffitiwänden in Pose gesetzt wurden, zeigte er den Aufbruch der Subkultur in den Pop ohne Inszenierung. Bald war er der "vierte Beastie Boy". Das Fotografieren hatte er nie gelernt. Aber er war irgendwie immer überall dabei, der Proto-Hipster des frühen Hip-Hop. Alle seine Fotos von den Beasties, von Public Enemy, Jean-Michel Basquiat, Andy Warhol, Madonna und wer sonst noch zum Downtown New York der Neunziger gehörte, machte er wie zufällig mit billigen Kameras. Seine Zeitgenossen wurden Stars. Er blieb immer er selbst in seiner kleinen Wohnung. Am Herzen hatte er es in den letzten Jahren und an der Lunge. Die Liste der Trauerbekundungen in den sozialen Netzwerken ist nun wie das Pantheon des Hip-Hop. Er wurde 59 Jahre alt.

© SZ/cd
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