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Zum Tod von Renate Krößner:Abschied von Sunny

Schauspielerin Renate Krößner gestorben

Die Schauspielerin Renate Krößner im Jahr 2011

(Foto: dpa)

Für ihre Rolle im Film "Solo Sunny" wurde Renate Krößner berühmt. Jetzt ist sie im Alter von 75 Jahren gestorben.

"Red, the sun is rising red", singt die junge Fabrikarbeiterin Ingrid Sommer, die Karriere machen will als Bandsängerin, 1980, in dem Film "Solo Sunny" von Konrad Wolf und Wolfgang Kohlhaase. "The sun is rising red and all my love you'll get, when you come along and stay..." Die Hoffnung, die aus diesen Zeilen dringt, ist ganz ursprünglich, herzzerreißend naiv, und das ist der unglaublichen Präsenz von Renate Krößner zu verdanken (und Regine Dobberschütz, die ihr die Stimme leiht).

Es war die Rolle, für die Renate Krößner augenblicklich berühmt wurde, auch dank des Silbernen Bären, den sie auf der Berlinale dafür erhielt. Sie spielte diese Sunny wie eine DDR-Judy, ein Balanceakt auf einem Seil, ohne Netz, im festen Glauben, dass der schäbige Nachtclubglamour ihrer Auftritte und die roten Schuhe mit den hohen Absätzen wirklicher sein müssen als die graue Hinterhof-DDR.

Krößner wurde 1945 in Osterode am Harz geboren, sie studierte Schauspiel in Berlin, spielte Theater und endlich auch in diversen Defa-Filmen - typisch etwa "Flammen unter Deck", wo Manfred Krug ihr Partner ist und einen Elbekapitän spielt, der sein Schiff aufgeben muss, sie ist eine Gastwirtin, die sich Caramba nennt und auf dem Schiff energievoll ein Lokal eröffnet. 1985 ging Krößner mit ihrem Mann, Bernd Stegemann in den Westen. Dort spielte sie weiter, vorwiegend im Fernsehen, in Folgen von "Polizeiruf 110" und "Tatort". Und, wieder mit Manfred Krug, in der Serie "Liebling Kreuzberg".

Solo Sunny, das ist ein sehr westliches, sehr amerikanisches Genre, ein Mädchen, das unbedingt als Sängerin Karriere machen will, konfrontiert mit einer ostdeutschen Wirklichkeit und einem nicht genregemäßen Ende. Desillusion, Tränen, Einsamkeit. Erfolglos bleibt die Suche nach einer neuen Selbstverwirklichung, einer neu zu schaffenden Freiheit. Die Geschichte einer starken Frau - aber nicht nur. Ja, hat der Regisseur Konrad Wolf einem Journalisten erwidert, es sei ein trauriger Film, aber Traurigkeit sei kein negativer Begriff für ihn: "Es geht um die Traurigkeit, die man dieser Sunny gegenüber empfindet, die sich ja mit Händen und Füßen wehrt und dennoch nicht mit ihrer Krisensituation zurechtkommt und eben ganz unten ist. Ich glaube, diesen Kelch muss sie, muss auch der Zuschauer voll austrinken."

Am Montag ist Renate Krößner im Alter von 75 Jahren in Mahlow bei Berlin gestorben.

© SZ.de/ghe
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