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Reimraum:Lobenswerte Zweifelsfälle

Der Fürther Rapper Johnny Rakete

Der Hip-Hop und die Selbstreflexion, das war schon immer so eine Sache. Natürlich gab und gibt es sie bis heute, jene Rapper, die jenseits von all dem spätpubertären und frauenverachtenden Potenzgeblöke, jenseits von all der Homophobie, den Gewaltverherrlichungen und diesen immer gleich faden Statusartikelaufzählungen, die Gucci, Benz und so weiter umfassen, in sich hineinhorchen. An den irren Erfolg des hier anskizzierten Straßen- beziehungsweise Gangsta-Raps um all die Bushidos und Nachwuchs-Bushidos da draußen reichen sie - zumindest hierzulande - momentan allerdings einfach nicht heran.

Den Mechanismen des Marktes entsprechend wird also auch der fränkische Rapper Johnny Rakete bis auf Weiteres wohl eher ein Underground-Phänomen bleiben. Gepriesen sei er dennoch, denn die Art und Weise wie der Fürther auf seinem erst kürzlich erschienenen Debütalbum mit dem Titel "Trauriger Junge mit Rauch in der Lunge" mit sich selbst und seinen inneren Dämonen ins Gericht geht, verdient allein schon ob ihrer geradezu selbstzerfleischenden Radikalität und Offenherzigkeit höchste Anerkennung.

Meditationen über den fiesen Selbstzweifel, ob der eigene Output auch wirklich etwas taugt, über die Abgründe der Drogensucht und deren Verschränkung mit der Depression - mehr Gegenentwurf zum anhaltenden megalomanischen Protz-Trend geht eigentlich fast gar nicht. Neun Tracks versammelt der grandios Flowbegabte auf seinem klanglich spürbar vom US-Oldschool-Rap der Neunziger inspirierten Debüt. Mal geißelt er die Oberflächlichkeiten der Hip-Hop-Chartstürmer, mal preist er die unverbrüchliche Treue seiner Liebsten, vor allem aber versenkt er sich in sich selbst und sein Leben, das "wie 'ne Autobahn nie lasterfrei" ist. Straßenrap der reflektierten Art, wenn man so will.

Johnny Rakete, Donnerstag, 14. November, 20 Uhr, Milla, Holzstraße 28