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Regisseur Kenneth Branagh:"Unter gewaltiger Beobachtung"

Sie stellen in "Cinderella" eine Art absolutistische Monarchie dar, wie sie sich Untertanen nicht besser wünschen könnten. Dabei ist das eine Staatsform, die bei uns aus guten Gründen als überwunden gilt. Hatten Sie da Bauchschmerzen?

Bei einem Historienfilm wie "Cinderella" war es unausweichlich, das mit hereinzunehmen. Wir haben aber herausgestellt, dass jeder Landesbewohner zu diesem Ball eingeladen war. Außerdem haben wir sicherlich weniger die Privilegien betont, oder die Position, oder die Exklusivität, die mit dem Dasein eines Prinzen oder einer Berühmtheit verbunden sind, sondern vielmehr etwas, was ich als "natürliche Königswürde" bezeichnen würde. Die Haltung, die die Griechen die "Aristokratie des Geistes" nannten, das Streben nach den höheren Qualitäten des menschlichen Bewusstseins, dem sich jeder hingeben kann, und das nicht an die Herkunft gebunden ist.

Praktischerweise findet Cinderella die ideellen Werte genau da, wo auch die materiellen Werte angesiedelt sind: beim Prinzen.

Gut, so ist das Märchen nun mal überliefert. Aber auch in unserem Film ist es nicht Cinderellas vorrangiges Ziel, Prinzessin zu werden. Wir haben versucht, das zu zeigen: In der Szene, in der sie von anderen jungen Frauen wissen will, wie sie den Prinzen finden, und die schon die Frage nicht verstehen: "Was willst Du, er ist der Prinz. Männer sind blöd, was soll die Frage?" Wir haben ganz bewusst Rollen für Leute eingebaut, für die Titel, Etikette, Exklusivität, Privilegien und Reichtum wichtiger sind als ihr persönliches Glück. Leute, für die die Gleichung gilt: 'Wenn ich das Auto bekomme, oder den Prinzen, dann bin ich glücklich.' Im Leben mag das manchmal der Fall sein, doch oft erfordert diese Haltung einen Preis: den, der Leere, zum Beispiel. Und wir zeigen gleich zu Beginn des Films eine Cinderella, die für ihr grenzenloses Glück nichts anderes braucht als liebevolle Eltern.

Cinderella mit Vater (Ben Chaplin) und Mutter (Hayley Atwell).

Zum Glück reichen Eltern aus, die sich kümmern: Cinderella mit Vater (Ben Chaplin) und Mutter (Hayley Atwell).

(Foto: Disney)

"Cinderella" war mit Produktionskosten von knapp 90 Millionen Euro einer der teuersten Filme, die Sie bislang verantwortet haben. Wurden Sie manchmal nervös?

Es gab ein paar Umstände, die mich davon abgehalten haben, in Panik zu verfallen. Dass zum Beispiel Cate Blanchett schon engagiert war, als ich das Projekt übernahm. Ich kam an und dachte: Besser geht's gar nicht. Aber natürlich waren auch die Erwartungen riesig, und zwar nicht nur in positiver Hinsicht. Es gab Leute, die glaubten, der Film werde floppen, weil das alles so oder so uraltes und langweiliges Zeug sei. Andere fragten, warum die Handlung nicht in Brooklyn im Jahr 2020 spiele. Du bist bei einer komplexen Angelegenheit also ständig unter gewaltiger Beobachtung. Aber das macht die Dinge interessant.

© SZ.de/jobr
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