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Regisseur David Gordon Green:Mehr gute Rollen für Frauen

Es gab zuletzt Diskussionen über die Bezahlung von Schauspielerinnen, Jennifer Lawrence etwa hat sich in einem Essay beschwert. Was läuft falsch in Hollywood?

Ich verstehe das auch nicht. Natürlich gibt es Unterschiede: Wenn jemand bekannter ist, dann verdient er mehr, als ein Newcomer für die gleiche Rolle bekommen würde. Es macht jedoch überhaupt keinen Sinn, aufgrund des Geschlechts oder der Hautfarbe schlechter zu bezahlen. Das ist absurd.

Jennifer Lawrence Jennifer Lawrence beendet das Nettsein

Hollywood

Jennifer Lawrence beendet das Nettsein

Die US-Schauspielerin ärgert sich, dass sie in Gehaltsverhandlungen stets bezaubernd war, anstatt um Geld zu kämpfen - mit direkten Auswirkungen auf ihre Einnahmen.

Frauen beschweren sich auch, dass es nicht genügend gute Rollen für sie gibt.

Das wird sich ändern.

Wann? Sie als Autor und Regisseur können das ändern.

Das versuche ich. Ich entwickle gerade eine Geschichte über die Autorin Blanche Knott, die in den 80er Jahren ein Buch über geschmacklose Witze geschrieben hat. Das ist ein wunderbares Drama, das wir hoffentlich bald verfilmen werden. Ann Dowd soll die Hauptrolle spielen. Das ist noch so jemand, den ich liebe - ach was, ich bin regelrecht verrückt nach ihr. Ich will unbedingt, dass sie ein Star wird, damit wir nur noch Filme gemeinsam drehen können.

Sie haben bereits mit einigen großartigen Schauspielern gearbeitet, Manglehorn war ein versteckter Liebesbrief an Al Pacino.

Wieder: Weil ich ihn liebe. Der Mann ist eine lebende Legende - und es ist großartig, so einen Menschen am Set zu haben. Es geht dabei nicht nur um das Projekt oder darum, dass er einen Film besser macht. Es geht auch darum, dass jemand wie Pacino viel über das Leben zu erzählen hat. Ganz ehrlich? Ich hatte bislang noch keine einzige schlechte Erfahrung mit einem Schauspieler.

Ach, kommen Sie: Schauspieler und Regisseure lästern so gerne übereinander.

Ich kenne all diese Geschichten - aber ich habe das noch nie erlebt.

Sie sagten mal, man müsse unbedingt das Interview mit dem Regisseur Rod Amateau über dessen Film The Garbage Pail Kids lesen, um zu verstehen, wie Filme bisweilen produziert werden.

Ein unglaubliches Gespräch, suchen Sie im Internet danach! Es ist lustig und traurig zugleich: Es geht darum, dass sich der Typ einen Scheißdreck dafür interessiert, was er macht. Er wird als Regisseur angeheuert, er lässt sich bezahlen, er dreht den Film - und beschwert sich ein paar Jahre später darüber, was für einen Mist er da produziert hat. Das ist sein Projekt, sein Kunstwerk, er steckt jedoch nur Hass und Ärger hinein. Warum nimmt er den Job dann überhaupt an?

Weil er Geld dafür bekommt. Nicht gerade wenig ...

Aber er wird dadurch zum depressiven Zyniker, der an seinem eigenen Albtraum von Film verzweifelt.

Sie haben also noch nie ein Projekt nur des Geldes wegen übernommen?

Nein. Ich kann mit dem ganzen Stress, den Geld mit sich bringt, überhaupt nichts anfangen. In meinem Haus würde ein Einbrecher nichts finden, das sich zu stehlen lohnt. Ich könnte auch in einem Zelt leben und Fahrrad fahren - und wäre immer noch glücklich.

Sie drehen aber auch Werbefilme, "Halftime in America" mit Clint Eastwood gehört zu ihren Werken. Das ist gut bezahlte Arbeit.

Aber es macht Spaß! Klar bekommt man dafür im Vergleich zu einem Spielfilm mehr Geld, doch Werbefilme können Kunst sein. Sehen Sie sich nur die Werke von David Fincher an! Einige Clips gehören zu den Projekten, auf die ich mit dem größten Stolz zurückblicke.

Sie haben sich als Regisseur von Independent-Filmen wie "George Washington" oder "Undertow" einen Namen gemacht. Sie gelten als einer der begabtesten Geschichten-Erzähler. Warum wechseln Sie, wenn es Ihnen doch nur um Kunst geht, immer wieder ins Mainstream-Fach?

Ich habe vier Independent-Filme gedreht, die kein Mensch gesehen hat. Dann habe ich mir gedacht, dass es als Regisseur doch auch mal lustig sein könnte, etwas zu produzieren, das tatsächlich ein paar Leute interessiert - also habe ich Pineapple Express gemacht. Danach ging es mir privat nicht besonders gut, deshalb habe ich Bad Sitter gedreht, um mit meinen Freunden in New York abzuhängen und Spaß zu haben. Ich habe das gebraucht. Danach wollte ich wieder eine kleine Geschichte erzählen, das war Prince Avalanche (Anm. d. Red.: Green bekam dafür auf der Berlinale 2013 den Silbernen Bären). Dazwischen die lustige Sportlerserie Eastbound & Down und Werbefilme. Die Projekte, die ich angehe, haben sehr viel damit zu tun, wie es mir gerade privat geht.