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Redford-Biographie:Für immer dreißig, blond, perfekt

Robert Redford wollte immer mehr sein als nur "Sexiest Man Alive". Nun feiert der Schauspieler, der an seiner eigenen Legende strickt, 80. Geburtstag.

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Paul Newman, Robert Redford

Quelle: AP

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Eigentlich gehört es für die ganz großen Leinwandhelden dazu, dass sie sich einen Rest vom Geheimnis erhalten - das Unerreichbare, das Unerklärliche ist Teil des Mythos. Robert Redford stieg Anfang der siebziger Jahre, nachdem der Western "Butch Cassidy and the Sundance Kid", geschrieben von William Goldman und inszeniert von George Roy Hill, ihm weltweit zum Durchbruch verholfen hatte, zu einer Form von Starruhm auf, die selbst Hollywood bis dahin unbekannt war. Es gibt heute Stars, die das Vierfache seiner höchsten Gagen bekommen, aber von ihnen gibt es eben mehrere. Redford spielte zu seinen größten Zeiten in einer Liga ganz für sich allein. Teurer und umschwärmter von Fans, Produzenten und Regisseuren war vor ihm keiner gewesen - und vielleicht auch nicht enigmatischer.

Filmausschnitt: Robert Redford (l.) und Paul Newman (r.) in ''Butch Cassidy and the Sundance Kid"

Text: Susan Vahabzadeh/SZ vom 10.08.2011

Robert Redford

Quelle: AP

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Redford hatte, schon bevor er Sundance Kid wurde, etwas getan, was heute jeder mittlere Fernsehstar macht, was damals aber unüblich war: Er war aus Hollywood geflohen und hatte sich in den Bergen von Utah ein Haus gebaut. Man ging damals nach Hollywood in der Absicht, um jeden Preis berühmt zu werden, Redford wollte ihn nicht zahlen. Redford, 1936 in Los Angeles geboren, verweigerte der Stadt der Träume seine Präsenz und zog sich zurück an einen Ort, an den nur Menschen vordringen konnten, die er ausdrücklich dorthin eingeladen hatte.

Im Bild: Redford im April bei der Premiere von "Die Lincoln-Verschwörung"; bei diesem Film hat er Regie geführt.

DIE DREI TAGE DES CONDORS

Quelle: OBS

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Der irische Schriftsteller Michael Feeny Callan hat nun eine Biographie über Robert Redford vorgelegt, derzeit die umfassendste, und vielleicht wird sie es auch bleiben: 14 Jahre Arbeit, Interviews mit 300 Zeitzeugen: unter ihnen auch Redfords Kinder, aber vor allem die Regisseure Alan J. Pakula (1928-1998) und der vor drei Jahren verstorbene Sydney Pollack, der seit jungen Jahren Redfords enger Freund gewesen war und sechs Filme mit ihm gedreht hat. (Ein wenig schade ist es, dass Redfords jüngste Regiearbeit, "Die Lincoln-Verschwörung" - eine sehr zeitgemäße Analyse des Prozesses gegen Mary Surrat, die Mutter eines Attentäters - es nicht in den Anhang geschafft hat, obwohl der Film schon im vergangenen Jahr vorgestellt wurde - deutscher Kinostart ist der 29. September) Und der verschlossene Mr. Redford hat Callan Tagebuchaufzeichnungen zur Verfügung gestellt; es ist nicht sehr wahrscheinlich, dass er noch mal einen Autor so nah an sich heranlässt. Callan beschreibt den Rückzug aus Hollywood ausführlich, aber eine Antwort darauf, warum Redford nie nach den Regeln Hollywoods spielen wollte, hat auch er nicht gefunden.

Filmausschnitt: Faye Dunaway und Robert Redford in "Die drei Tage des Condors"

Der Pferdeflüsterer

Quelle: OBS

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Die Nähe zu Redford hat natürlich zur Folge, dass man trotz kritischer Töne, was die Führung des Sundance-Filmfestivals betrifft, in diesem Buch auch immer spürt, dass hier Redford selbst an seiner eigenen Legende strickt. Es war eine seltsame Karriere - denn einerseits war Redford ein solider Schauspieler, aber er hatte nicht die Bandbreite von Robert De Niro, und man wollte ihn auch immer nur als den strahlenden Helden sehen. Und er wollte definitiv mehr sein als nur der "sexiest man alive", bevor der Begriff überhaupt erfunden wurde.

Filmausschnitt: "Der Pferdeflüsterer"

ROBERT REDFORD

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Manche der Geschichten sind schon Legende: Wie er sich für den Umweltschutz schon Ende der sechziger Jahre zu engagieren begann, das politische Engagement für die Demokraten, dass er sehr früh den Wechsel zur Regie betrieb, der ihm gleich beim ersten Versuch einen Oscar einbrachte, 1980, für sein Familiendrama "Ordinary People". Und natürlich jene, als der Mann in den Bergen sozusagen im Alleingang mit dem Sundance-Festival das amerikanische Independent-Kino erfand, wie es in den Neunzigern selbst Hollywood das Fürchten lehrte. Es zog ihn schon früh zu kleinen Projekten, die dem Studiosystem nicht bombastisch genug waren. Der kleine Skifahrerfilm "Schussfahrt", oder, zusammen mit Sydney Pollack, "Jeremiah Johnson", über einen Einsiedler in den Bergen. Er konnte, vor allem nach dem gigantischen Erfolg von "Der Clou" 1973 - wie bei "Butch Cassidy" war da Paul Newman sein Ko-Star - diese Projekte zwar durchbringen. Aber ein Forum für sie gab es trotzdem nicht.

Filmausschnitt: "Der Clou"

"DIE UNBESTECHLICHEN"

Quelle: dpa

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Die Siebziger haben das Kino verändert, am Anfang des Jahrzehnts hatte es noch so ausgehen, als würde New Hollywood sich durchsetzen mit Filmen, die nicht nur auf die größtmögliche Zuschauerzahl abzielten. Am Ende des Jahrzehnts war das Gegenteil eingetreten. George Lucas hatte "Star Wars" gemacht und Steven Spielberg "Der weiße Hai", das Blockbuster-Kino setzte sich durch, wenige Filme, die parallel in allen Kinos laufen. Als Gegengift gründete Redford auf seiner Ranch in Utah ein Institut und ein Festival - Sundance wurde das Mekka des Independent-Kinos. Hier begannen die Karrieren von Quentin Tarantino, Robert Rodriguez und Steven Soderbergh.

Callan hat mit viel Akribie einiges ausgegraben, was richtig neu ist. Eine verpasste Zusammenarbeit mit Polanski, beispielsweise, und wie viel Redford geschrieben hat, wie viele Drehbücher tatsächlich weitgehend von ihm stammen - Callan nennt ihn den "Ghostwriter". 1976 machte Redford mit Pakula "Die Unbestechlichen / All the President's Men" über den Watergate-Skandal und den Untergang Richard Nixons. Es ist bis heute der Lieblingsfilm aller Journalisten. Redford hatte früh Kontakt zu Bob Woodward aufgenommen, den er später im Film verkörperte, und die Rechte gekauft. Der Drehbuchautor William Goldman hat sich im Nachhinein bitter beklagt, dass er zwar im Vorspann genannt ist, dass aber nicht verfilmt wurde, was er geschrieben hatte. Das Drehbuch ist, so hat Pakula Callan erzählt, von Pakula und, vorwiegend, von Redford. Eine ziemlich reife Leistung.

Filmausschnitt: Dustin Hoffman (l.) und Robert Redford in "Die Unbestechlichen"

Actor Robert Redford poses for a portrait in New York after being named winner of the 2008 Dorothy and Lillian Gish Prize

Quelle: REUTERS

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Bigger than life, das ist nur einer, der oben auf der Leinwand bleibt und nicht herabsteigt. Redford beispielsweise ist, wenn man ihn hier unten auf der Erde trifft, ein recht kleiner Mann, obwohl er auf der Leinwand aussieht wie ein gut gebauter Sechs-Fuß-Kerl. Und seien wir mal ehrlich: Wer will das schon wissen? "Es ist", sagt Sydney Pollack bei Callan, "ein Pakt mit dem Teufel. Er wird immer dreißig, blond und perfekt sein. Es wird intelligente Kritiker geben, die dieses Muster durchbrechen, aber selbst die besten wollen den idealisierten Schauspieler. Sie bestehen auf der Kontinuität, weil niemand den Tod der Phantasie will, niemand erträgt zu viel Realität." So, wie Redford auf Film konserviert ist, so bleibt er für die Ewigkeit.

Michael Feeney Callan: Robert Redford. Die Biographie. Aus dem Englischen von Charlotte Breuer und Norbert Möllemann. Droemer Verlag, München 2011. 752 Seiten, 22,99 Euro.

© SZ vom 10.08.2011/cris
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