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Reaktionen zum Tod von Dieter Hildebrandt:"Ich verneige mich. Gute Reise"

Sein Humor hat viele inspiriert und geprägt. In den sozialen Netzwerken betrauern Tausende den Tod von Dieter Hildebrandt. Die Reaktionen machen deutlich, welche Bedeutung der Kabarettist für das Gemeinwesen der Bundesrepublik hatte.

Im Alter von 86 Jahren ist der Kabarettist Dieter Hildebrandt verstorben. Der Wahlmünchner, der vor allem durch die Sendungen Scheibenwischer und Notizen aus der Provinz bekannt geworden war, bekam im vergangenen Sommer die Diagnose Prostatakrebs. Nach mehreren Operationen schien es bis vor einigen Woche noch so, als hätte er sich erholt. Dann erlitt er jedoch einen schweren Rückfall.

Bereits kurz nach der Nachricht von Hildebrandts Tod gibt es viele Reaktionen seiner Weggefährten, die sich bestürzt zeigen. Ein Sprecher der Münchner Lach- und Schießgesellschaft, die Hildebrandt mitbegründet hatte, sagte: "Bis zum Schluss hatte er Pläne, hatte gekämpft und wollte sich im Dezember auf der Bühne der Münchner Lach- und Schießgesellschaft von seinem Publikum verabschieden. Er hätte uns noch so viel zu sagen gehabt. Wir trauern mit seiner Familie um einen wunderbaren Menschen, lieben Freund, Förderer und eine moralische Instanz."

"Danke, lieber Dieter, für alles"

"Es ist ein großer Verlust. Für uns alle", sagt sein Freund Dieter Hanitzsch, mit dem Hildebrandt den Kabarett-Internetsender "Störsender.tv" gründete. Auf der Webseite des Senders stand am Mittwoch: "Danke, lieber Dieter, für alles." Jeder, der sich dem Kabarattisten freundschaftlich verbunden fühlt, weil er ihnen etwas gegeben hat, wird dazu aufgerufen, über die Webseite zu kondolieren.

Viele ranghohe Politiker haben ebenfalls schon ihre Trauer über Hildebrandts Tod zum Ausdruck gebracht. "Mehr als ein halbes Jahrhundert lang brachte er uns zum Lachen und regte dabei zugleich kritisches Denken an", sagte der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel. Deutschland habe einen großartigen Kabarettisten verloren und "die SPD einen kritischen Unterstützer".

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer würdigte Hildebrandt als "Ikone des politischenn Kabaretts". "Dieter Hildebrandt hat mit spitzer Feder und spitzer Zunge über Jahrzehnte Politikern in Deutschland den Spiegel vorgehalten", sagte Seehofer weiter. Linksfraktionschef Gregor Gysi sagte über Hildebrandt: "Er war genial, humorvoll, provokativ, konsequent und mit der Eigenschaft versehen, Freundinnen und Freunde auch dann nicht zu verlassen, wenn sie in größten Schwierigkeiten steckte."

In den sozialen Netzwerken wird deutlich, was Hildebrandt den Menschen bedeutet hat. Für die meisten stellte er den ersten Kontakt zum politischen Kabarett dar.

"Ein ganz Großer ist gegangen! Ich verneige mich und wünsche gute Reise!", schreibt eine Facebook-Nutzerin. Auch Twitter wird schnell zum digitalen Kondolenzbuch: "Er war der einzige, dessen Fan ich je war. Für immer Danke für die Notizen aus der Provinz. Und R.I.P., lieber Dieter Hildebrandt.", heißt es dort.

Oder: "Der große liebevoll-bitterböse Dieter Hildebrandt. Ein TV-Held meiner Jugend. Wie schade."

Auch ARD-Moderator Fritz Frey drückte via Twitter sein Bedauern und seine Trauer aus:

Musiker und Hildebrandt-Freund Konstantin Wecker trauert ebenfalls um den Verstorbenen. "Dieter war in jeder Hinsicht für mich ein Vorbild, künstlerisch und moralisch. Ich habe keinen Menschen gekannt, der moralisch integrer war als er", sagte Wecker. "Gegenüber all diesen unglaubwürdigen Politikdarstellern ist er ein Leuchtturm gewesen." Auch Kabarettist Bruno Jonas erinnert sich an seinen früheren Scheibenwischer-Kollegen: "Wir haben sehr viel miteinander geschrieben, gedacht, gesponnen, diskutiert, debattiert." Hildebrandt sei ein "sehr spontaner und schnelle Denker" gewesen. Kurzum: "Er war einmalig."

© SZ.de/ahem

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