Afghanistan:Taliban plündern buddhistische Kunstschätze in Bamiyan-Tal

Afghanistan: Sind jetzt die Überreste auch noch weg? Hier patrouilliert ein Polizist vor den leeren Nischen, in denen einst meterhohe Buddha-Statuen standen.

Sind jetzt die Überreste auch noch weg? Hier patrouilliert ein Polizist vor den leeren Nischen, in denen einst meterhohe Buddha-Statuen standen.

(Foto: Wakil Kohsar/AFP)

Angeblich wurden Buddha-Köpfe und andere Fundstücke aus den Lagern der Restauratoren gestohlen.

Taliban-Kämpfer sollen historische Kunstschätze in einem Museum in Bamiyan geplündert und verkauft haben. Das hat Radio Azadi am Dienstag unter Berufung auf den afghanischen Archäologen Zamaryali Tarzi berichtet. Tarzi leitete die Ausgrabungen eines französischen Teams in Bamiyan. Ähnliches berichtete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf japanische Archäologen, die ebenfalls in Bamiyan arbeiteten.

Demnach sollen Buddha-Köpfe und andere historische Fundstücke aus den Lagerräumen der Restauratoren gestohlen worden sein. Das Tal in der Provinz Daikondi im Zentrum Afghanistans ist berühmt für seine gigantischen, in Felsen eingemeißelten Buddha-Statuen aus dem sechsten Jahrhundert. Sie waren ein Touristenziel und wurden sorgfältig erhalten; der Achäologe Zamaryali Tarzi, der jetzt die Öffentlichkeit von den Plünderungen in Kenntnis setzte, arbeitete schon in den Siebzigerjahren an der Konservierung der Skulpturen und der Restaurierung der Fresken.

Im März 2001 wurden die buddhistischen Kunstwerke von den Taliban als unislamische "Götzenbilder" mit Dynamit gesprengt. Dieser Ikonoklasmus richtete sich wohl nicht allein gegen die unislamische Religion des Buddhismus, sondern sollte auch ein als westlich begriffenes, universales Verständnis von Geschichte und Kulturdenkmälern angreifen. Neben den gewaltigen Buddha-Statuen zerstörten die Taliban damals auch fast alle buddhistische Kunst im Museum von Kabul. Japan, Frankreich und andere Länder haben seit 2002 Teile der Anlage in Bamiyan gesichert, Fragmente gesammelt und Teile der Statuen wieder rekonstruiert. Das Tal im Zentrum von Afghanistan ist seit 2003 von der Unesco als Weltkulturerbe gelistet.

© SZ/epd
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