bedeckt München
vgwortpixel

Raubkunst aus dem Gurlitt-Nachlass:Nützliche Fotos

Ein weiterer Streit entbrennt gegenwärtig um den Nachlass: Es geht um Unterlagen, die im Salzburger Haus von Cornelius Gurlitt verwahrt wurden. Dessen Betreuer Christoph Edel hatte sie noch zu Lebzeiten Gurlitts dort abtransportieren lassen: Geschäftsbücher, Fotos von Kunstwerken, die Geschäftskorrespondenz von Hildebrand Gurlitt, aber auch Kataloge und Werkverzeichnisse, insgesamt gut 25 000 Dokumente.

Im März und April vergangenen Jahres hatte - parallel zur Arbeit der Task Force - eine Gruppe von Wissenschaftlern die Aufarbeitung begonnen, im Auftrag von Cornelius Gurlitt selbst.

Doch mit dem Tod von Gurlitt endete ihre Arbeit. Die Unterlagen, die zum Teil bereits in einer Datenbank erfasst sind, stellen eine wertvolle Quelle dar, um die Herkunft der unter Raubkunstverdacht stehenden Werke Gurlitts zu klären. Dennoch hat die Leiterin der Task Force, Ingeborg Berggreen-Merkel, die Ende Juni 2014 von dem Datenschatz informiert wurde, nach SZ-Informationen bisher kein Interesse an den Dokumenten gezeigt.

Bislang habe niemand um Einsicht in die Akten gebeten, sagt Gurlitts Nachlasspfleger Stephan Brock gegenüber der SZ. Auch zu den bereits aufgearbeiteten Fällen finden sich in diesen Akten wichtige Informationen: Besonders wertvoll könnten die Fotos sein, mit denen viele Dokumente versehen sind. In den Geschäftsbüchern fehlen oft genaue Beschreibungen, Titel- und Künstler-Angaben sind vage und nicht immer korrekt. "Diese Dokumente bringen die Geschäftsbücher zum Sprechen", sagt einer der Wissenschaftler, der sie gesichtet hat.

"Der Nachlass ist der Nachlass"

Man habe mit den Unterlagen gearbeitet, die der Task Force aus der Beschlagnahmung in München vorgelegen hätten, heißt es lediglich. "Der Nachlass ist der Nachlass", ist die einzige offizielle Verlautbarung zu dem Fall.

Angesichts von so viel Desinteresse fragt es sich, ob es der deutschen Politik je um mehr ging, als die prominenten Fälle von Raubkunst öffentlichkeitswirksam abzuwickeln, das Erbe Gurlitts zügig zu entsorgen und den Skandal auf diese Weise zu beenden: Wäre es die Absicht gewesen, eines der spannendsten Kapitel des Kunstraubs der Nationalsozialisten aufzuklären, hätte man auf die Sichtung so wichtiger Quellen kaum verzichtet.