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Raubkunst aus dem Gurlitt-Nachlass:Zehrende Recherchen

  • Raubkunst-Werke von Max Liebermann und Henri Matisse aus dem Nachlass von Cornelius Gurlitt können an die Nachfahren der jüdischen Vorbesitzer zurück gegeben werden.
  • Die berechtigten Erben empfinden die immer neuen Forderungen der Behörden nach neuen Unterlagen als schikanös.
  • Von Seiten der Politik werden vorliegende Informationen, die hilfreich sein könnten, nicht angefordert.

Fast ein Jahr nach dem Tod von Cornelius Gurlitt könnte die seit Langem angekündigte Restitution der ersten Raubkunst-Werke aus seiner Sammlung Wirklichkeit werden.

Sowohl Max Liebermanns "Zwei Reiter am Strand" als auch die "Sitzende Frau" von Matisse dürften in den kommenden Wochen an die Nachfahren der jüdischen Vorbesitzer zurückgehen. Lediglich das Münchner Nachlassgericht muss noch zustimmen. "Ich wäre sehr überrascht, wenn es dort Probleme gäbe", sagte Chris Marinello, der Londoner Anwalt der Erben von Paul Rosenberg, denen der Matisse gehört, der Süddeutschen Zeitung.

David Toren hingegen, der Großneffe des früheren Liebermann-Eigentümers, will an die Rückgabe erst glauben, wenn er es in Händen hält: "Ich bin mir nicht so sicher", meint er. Zu lange hätten ihn deutsche Behörden in den vergangenen Monaten über immer neue bürokratische Stöckchen springen lassen.

Aus dem Staatsministerium für Kultur und Medien heißt es indessen, der Aufwand sei notwendig gewesen, um sicherzugehen, dass die Bilder auch wirklich an die richtigen Mitglieder der teils weitverzweigten Familien ausgehändigt werden.

Die Betroffenen empfanden die immer neuen Forderungen nach Dokumenten und Unterlagen hingegen als schikanös. Das galt um so mehr, als die Rückgabe der beiden Bilder mit Gurlitt kurz vor dessen Tod bereits unterschriftsreif ausgehandelt war.

Als Raubkunst identifiziert - nach über einem Jahr Recherchen

Die Task Force des Ministeriums hat bislang aus Hunderten suspekten Werken außer den beiden genannten lediglich ein weiteres als Raubkunst identifiziert, nämlich Spitzwegs "Musizierendes Paar" - nach über einem Jahr Recherchen.

Auf die Rückgabe des Bildes muss Martha Hinrichsen, die Enkelin des Musikverlegers Henri Hinrichsen, indessen weiter warten. "Laut unserem Anwalt gibt es Fortschritte, aber leider hat die Verzögerung für mich bewiesen, dass es Deutschland den berechtigten Erben nicht leicht macht, ihre Kunst zurückzubekommen", sagt sie gegenüber der Süddeutschen Zeitung. "Vor allem, weil Dokumente, die bei früheren deutschen Restitutionen akzeptiert wurden, nun nicht gültig sind."