Ermittlungen gegen Till Lindemann eingestellt:Keine Anhaltspunkte

Ermittlungen gegen Till Lindemann eingestellt: "Rammstein"-Sänger Till Lindemann, hier 2017 bei der Frankfurter Buchmesse.

"Rammstein"-Sänger Till Lindemann, hier 2017 bei der Frankfurter Buchmesse.

(Foto: STAR-MEDIA /imago)

Die Staatsanwaltschaft Berlin hat ihre Ermittlungen gegen "Rammstein"-Sänger Till Lindemann und Alena M. eingestellt.

Von Lena Kampf

Die Staatsanwaltschaft Berlin hat ihre Ermittlungen gegen den Sänger der Band Rammstein, Till Lindemann, und die selbst ernannte "Casting-Direktorin" Alena M. eingestellt. Das Verfahren gegen Lindemann wurde wegen des Verdachts der Begehung von Sexualdelikten wie auch Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz geführt, nachdem Anzeigen gegen ihn und M. durch unbeteiligte Dritte gestellt worden waren.

Laut Pressemitteilung der Generalstaatsanwaltschaft hätten die Ermittlungen "keine Anhaltspunkte dafür erbracht, dass der Beschuldigte gegen deren Willen sexuelle Handlungen an Frauen vorgenommen, diesen willensbeeinflussende oder -ausschaltende Substanzen verabreicht oder gegenüber minderjährigen Sexualpartnerinnen ein Machtgefälle ausgenutzt hat, um diese zum Geschlechtsverkehr zu bewegen". Strafrechtlich relevante Anhaltspunkte für Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz lägen nicht vor. Gegen Alena M. hätten sich "keine Anhaltspunkte für ein strafrechtlich relevantes Verhalten ergeben".

Allerdings standen den Ermittlern keine mutmaßlichen Geschädigten als Zeuginnen zur Verfügung, sodass sie sich laut Generalstaatsanwaltschaft bei der Auswertung der Beweismittel vornehmlich auf Presseberichterstattung und die Vernehmungen von anderen Zeuginnen, unter anderem der Youtuberin Kayla Shyx, beschränken mussten.

Die SZ und andere Medien hatten berichtet, dass Till Lindemann mit Hilfe von Alena M. und anderen Personen junge Frauen im Rahmen eines sogenannten Casting-Systems für Pre- und Afterpartys bei Konzerten zugeführt wurden, bei denen es teilweise auch zu Sex mit ihm gekommen sei. Zwei Frauen, die zu ihrem Schutz in der Öffentlichkeit anonym bleiben wollten, gaben gegenüber der SZ an, die Begegnungen im Nachhinein als missbräuchlich oder gewaltvoll erlebt zu haben. Ihre Identitäten sind der SZ bekannt, sie haben ihre Angaben an Eides statt versichert.

Das Magazin Der Spiegel hatte außerdem eine sexuelle Beziehung von Till Lindemann zu einer 15-Jährigen öffentlich gemacht, bei der laut Generalstaatsanwaltschaft Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs von Jugendlichen im Raum standen. Diese konnten demnach nicht erhärtet werden, da die Frau gleichsam ihre Identität nicht preisgab und nicht vernommen werden konnte.

"Die Möglichkeit, etwaige Tatvorwürfe ausreichend zu konkretisieren, bestand daher ebenso wenig wie die, einen Eindruck von der Glaubwürdigkeit der mutmaßlichen Geschädigten und der Glaubhaftigkeit ihrer Angaben im Rahmen von Vernehmungen zu gewinnen", schreibt der Pressesprecher der Generalstaatsanwaltschaft Berlin, Sebastian Büchner, in der Pressemitteilung. Die Youtuberin Kayla Shyx, die in einem Video über ihre Erlebnisse bei einer Afterparty berichtet hatte, konnte in ihrer Zeugenvernehmung laut Büchner "kein eigenes Erleben strafrechtlich relevanter Vorfälle schildern".

Lindemanns Strafverteidiger Björn Gercke wertete die Einstellung des Verfahrens gegen den Rammstein-Sänger als Beleg dafür, dass "die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft keine Beweise beziehungsweise Indizien zutage gefördert haben, um meinen Mandanten wegen der Begehung von Sexualstraftaten anklagen zu können".

Till Lindemann äußerte sich erstmals selbst zu den Vorwürfen: "Ich danke allen, die unvoreingenommen das Ende der Ermittlungen abgewartet haben", schrieb er am Dienstag auf Instagram.

Die Staatsanwaltschaft kann die Ermittlungen infolge einer neuen Beweislage bis zur Verjährungsfrist jederzeit wieder aufnehmen.

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