Radar Alte und junge Meister

Dorotheum und Van Ham: Wichtige Kunstmarktereignisse der kommenden Wochen.

Von Dorothea Baumer

Mit der Versteigerung von einhundert Altmeistergemälden am 30. April erreicht die Auktionswoche des Wiener Dorotheums ihren Höhepunkt. Namhafte Niederländer des 17. Jahrhunderts wie Frans Francken oder Abel Grimmer sind mit alttestamentarischen Themen vertreten, bieten Gesellschaftstableaus, wie Jan Massys mit einer Bordellszene (Taxe 80 000 Euro) oder Allegorien der Vier Elemente im Großformat, wie Artus Wolffort (150 000). Prominenter noch treten die Italiener in Erscheinung. Ein "Martyrium des Hl. Bartholomäus" wäre hier zu nennen. Seiner Malkultur und Lichtregie wegen lange Caravaggio zugeschrieben, gilt es heute als ein Werk seines vielleicht bedeutendsten Nachfolgers Bartolomeo Manfredi (300 000). Als Toplos geht ein fast lebensgroßer liegender Akt vor einer Felsgrottenlandschaft, ein Werk der Barockmalerin Artemisia Gentileschi, in den Wettbewerb. Die Figur ist in Lapislazuli und Goldgelb gehüllt und als Maria Magdalena ausgewiesen. Für die Landschaft versicherte sich die Künstlerin der Mitarbeit von Onofrio Palumbos. Geschätzt ist das Bild mit mindestens 400 000 Euro. Eine interessante Entdeckung stellt das Gemälde einer "Verklärung Christi" des süddeutschen Manieristen Hans Caspar Memberger dar (60 000). Das 19. Jahrhundert, am Vortag verhandelt, glänzt mit Venedig-Veduten und einer Nachtszene des darauf spezialisierten Petrus van Schendel (100 000). Antiquitäten bilden am 2. Mai den Abschluss.

Am 29. Mai versteigert Van Ham rund 150 Werke zeitgenössischer Künstler aus der Kunstsammlung des westfälischen Textilunternehmens Sør-Rusche. Darunter sind Arbeiten von Norbert Tadeusz und Stephan Balkenhol, Jonathan Meese und David Schnell. Spitzenlos ist Neo Rauchs kleinformatiges Rätselbild "Pendel" mit einer Taxe von 80 000 Euro.