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Zum Tod von Comiczeichner Quino:Sezieren statt Kitzeln

Joaquin Salvador Lavado, auch bekannt als Quino.

(Foto: ALEJANDRO PAGNI/AFP)

Der argentinische Comiczeichner Quino ist tot. In der spanischsprachigen Welt ist seine Figur "Mafalda" das Pendant zu den "Peanuts".

Seine weltberühmte Comicfigur Mafalda ist ein Kind der sechziger Jahre, aber hochmodern: Eine Sechsjährige, die einen kritischen, vor allem politischen Blick auf die Welt der Erwachsenen wirft: ein "neugieriges, intelligentes, ironisches, nicht-konformistisches Mädchen", wie ihr Schöpfer Quino geschrieben hat, das "sich mit Frieden und Menschenrechten befasst, Suppe hasst und die Beatles liebt". In der spanischsprachigen Welt kennt Mafalda jeder, ob alt oder jung, die Serie ist das Latino-Pendant zu den "Peanuts". Mafalda sei eine "Heldin unserer Zeit" schrieb Umberto Eco 1969 im Vorwort zu einem der Bände, damals war das Comic auch in Europa bekannt.

Aber Mafalda ist mehr als eine argentinische Ausgabe von Charlie Brown. In den Zeiten der Diktatur sagte Mafalda in ihrer direkten, nur scheinbar naiven Art viele Dinge, die sonst nicht gesagt werden durften. Geliebt wird sie bis heute über alle ideologischen Grenzen hinweg. "Beide Argentiniens weinen jetzt", schrieb El País, als am Mittwoch bekannt wurde, dass ihr Schöpfer mit 88 Jahren gestorben ist. Quino, der als Joaquín Salvador Lavado Tejón am 17. Juli 1932 in Mendoza in Argentinien geboren wurde, kehrte im Laufe seines Lebens immer wieder zu Mafalda zurück. "Ich glaube nicht, dass meine Cartoons der Art sind, dass Leute sich kaputtlachen. Ich tendiere eher dazu, ein Seziermesser zu verwenden, als zu kitzeln", sagte er einst in einem Interview.

© SZ/tmh

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