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Puppenspiel:Pakt mit dem Teufel

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Zeipoth ist Bauer Irwings einziges Kind - verzweifelt sucht er nach einen Weg, sie vor dem Goggolori zu retten.

(Foto: Münchner Marionettentheater)

Große Oper im kleinen Haus: An diesem Samstag ist "Der Goggolori" in bairischer Mundart mit einem Libretto von Michael Ende im Münchner Marionettentheater zu sehen. Komponist Wilfried Hiller gibt eine Einführung in sein Werk

Manchen Pakten wird man nur mit dem Etikett "teuflisch" wirklich gerecht. Das wird dem Bauern Irwing bewusst, als er mit dem Goggolori einen solchen Handel abschließt: Der Kobold soll für reiche Ernte sorgen, im Gegenzug versprechen die Eltern ihm die Seele ihrer Tochter Zeipoth. Als diese 14 Jahre alt wird, fordert der Goggolori seinen Preis - und die Not ist groß. 1985 fand die Uraufführung der Oper "Der Goggolori" von Wilfried Hiller mit einem Libretto von Michael Ende im Gärtnerplatztheater statt - die Titelfigur baute der Puppenspieler Siegfried Böhmke, der fortan als Puppenführer bei allen 130 Vorstellungen mitwirkte.

Als 1997 der letzte Vorhang fiel, "habe ich Wilfried gesagt: Wenn ich jemals Leiter des Münchner Marionettentheaters werde, spiele ich dort deine Oper", erzählt der heutige Intendant des klassizistischen Musentempelchens an der Blumenstraße. Und er hielt Wort. Im Jahr 2002 brachte er die Oper an seinem Haus heraus, Regie führte Friedrich Meyer-Oertl, der auch die Uraufführung im Gärtnerplatztheater inszeniert hatte. "Der hatte großen Spaß daran, das Werk vom großen Haus in unser kleines zu übertragen", erinnert sich Böhmke. Den 20. Todestag von Michael Ende und den 30. Geburtstag der Uraufführung nimmt er an diesem Samstag zum Anlass, die bairische Mär wieder aufzuführen. Mit einem originalen Musik-Mitschnitt der Gärtnerplatz-Aufführung aus dem Archiv des Bayerischen Rundfunks - und in Gegenwart von Komponist Wilfried Hiller. Der wird die Einführung in sein Werk mit einigen Anekdoten über die Zusammenarbeit mit Michael Ende würzen.

Warum bringt Böhmke den "Goggolori" nur zweimal im Jahr auf die Bühne? "Neben dem Nussknacker ist das Stück unsere aufwendigste Inszenierung - 15 Mitwirkende erwecken vierzig Figuren zum Leben", erklärt der Intendant, der sein Figurentheaterstudium in London beim Muppets-Erfinder Jim Henson vervollständigte. Er spielt in dem Stück eine Hexe, die "Ullerin", eine auch im wortwörtlichen Sinne schwere Figur, die in gleich drei Varianten in Bereitschaft hängt: Am Anfang tritt sie als eine von Hornissen Gejagte auf, später kommt sie völlig zerstochen auf die Bühne und zum Schluss erscheint sie als reich geschmückte Dame, mit einem glitzernden Ring an jedem Finger. "Anders als im Schauspielertheater können unsere Figuren ihre Kostüme nicht wechseln, wir müssten sämtliche Fäden durchschneiden, um sie umzuziehen", sagt Böhmke.

Gespielt wird wie immer von zwei Spielbrücken herab. Wer schon einmal über die schmalen, beweglichen Stege balanciert ist, versteht sofort, warum es laut Böhmke "keine dicken Puppenspieler" gibt: Behände müssen die Spieler sich auf den schmalen Brücken aneinander vorbeibewegen, immer vornübergebeugt - "mit Bandscheibenschaden ist das nicht zu bewerkstelligen", sagt der drahtige Intendant.

Der Goggolori, Samstag, 31. Oktober, 20 Uhr, Münchner Marionettentheater, Blumenstr. 32