Deutsche Sprache:Gehst du Guckparty?

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Die bundesrepublikanische Urform des Public Viewing: Zuschauer drängen sich während der Weltmeisterschaft 1954 vor einem Geschäft für Radio- und Fernsehapparate. (Foto: Berthold Fischer/SZ Photo)

Unsere Sprache kennt viele rätselhafte Anglizismen – aber wie ist eigentlich „Public Viewing“ zu übersetzen? Ein Versuch mit deutschen Schülern gibt Aufschluss.

Gastbeitrag von Roland Kaehlbrandt

Um es gleich vorweg zu sagen: Die Anglizismen werden die deutsche Sprache nicht umbringen. Dazu bietet der Sprachbau des Deutschen zu viele Möglichkeiten, sich aus dem Bestand elastisch weiterzuentwickeln. Aber immerhin ist derzeit durchschnittlich jedes dreißigste Wort ein Anglizismus, Tendenz steigend. In manchen Fällen stört uns das nicht, weil die Wörter nicht mehr als Importe zu erkennen sind, vor allem dann, wenn sie gut eingemeindet sind. Nicht also ein Verb wie downloaden (wie heißt denn hier bitte das Partizip Perfekt? Downgeloadet oder gedownloadet?), wofür es auch längst das deutsche Verb herunterladen gibt; wohl aber Wörter wie Sport, Team, Film. Wir erkennen ja auch bei Wörtern wie Koffer oder Gurke nicht mehr, dass sie Importe sind (aus dem Arabischen und Polnischen). Warum? Sie sind dem typischen deutschen Wort angepasst, nämlich dem Einsilbler (Kuss, Wald, Ruf) und dem Zweisilbler, einem Trochäus, erste Silbe betont, zweite unbetont: Lehrer, Mutter, Wähler.

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