Kleines Gedankenexperiment: Man schlage den Arbeitern in der Autoindustrie oder den Lokführern in der nächsten Tarifrunde vor, die Löhne kräftig zu senken. Womöglich würden dann Barrikaden brennen, sicherlich aber bekämen die Brandstifter ordentlich Likes in den sozialen Medien, so wie jetzt die Psychotherapeuten und -therapeutinnen, die heftig protestieren, dass ihnen in Zeiten der Inflation Stundenhonorare um 4,5 Prozent gekürzt werden sollen. Wer würde sich nicht empören, wenn ihm ins Portemonnaie gegriffen wird? So weit ist die Aufregung menschlich und nachvollziehbar.
DebattePsychotherapie ist kein Fitnesstraining für die Seele
Lesezeit: 3 Min.

Die Diskussion um die Stundensätze für Psychotherapeuten verstellt den Blick auf das eigentliche Problem: Wie schafft man es, die Menschen zu behandeln, die wirklich Hilfe brauchen?
Essay von Christian Weber
