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Psychologie:Ich, Ich, Ich: Der Narzissmus des Donald T.

"Der Narzisst nimmt alles aus der Ich-Perspektive wahr", sagt der Psychiater Reinhard Haller. Ein Phänomen, dass wohl auf Donald Trump zutrifft, der sich hier auf einem Markt in Japan in Masken wiederfindet.

(Foto: AP)

Was bedeutet es, wenn ein Großnarzisst wie Donald Trump im Weißen Haus regiert? Der Psychiater Reinhard Haller versucht eine Diagnose.

Selbstsüchtiges, egozentrisches Verhalten ist ein weitverbreitetes Phänomen: Wir leben in einer Zeit der Selbstbespiegelung, in der Narzissten oft erfolgreich sind, auch im Beruf. Während Sigmund Freud in seiner "Einführung des Narzissmus" noch von einem Krankheitsbild sprach, von einer schweren Persönlichkeitsstörung, sind heute viele Eigenschaften des Narzissten nicht nur gesellschaftlich akzeptiert, sie stoßen teilweise sogar auf Bewunderung.

Aber was bedeutet es, wenn ein Großnarzisst wie Donald Trump im Weißen Haus regiert? Der Psychiater, Psychotherapeut, Neurologe und Gerichtsgutachter Reinhard Haller, seit mehr als drei Jahrzehnten Chefarzt einer österreichischen Suchtklinik, beschäftigt sich seit Jahren mit dieser Frage.

Narzissten fürchten Gelächter wie der Teufel das Weihwasser

Haller, der 2013 das Buch "Die Narzissmusfalle" veröffentlichte, hat viele solcher Menschen kennengelernt - als Patienten, aber auch im Gerichtssaal, wo er als Gutachter zum Beispiel beim Winnenden-Prozess tätig war. Aus seiner Sicht sind narzisstisches Gehabe und ein selbstherrliches, großspuriges, arrogantes Verhalten nicht weiter beunruhigend - man kennt es von vielen erfolgsverwöhnten Politikern und Managern. Sollte Donald Trump allerdings zu den wenigen Menschen gehören, denen man "malignen Narzissmus" attestieren muss, dann wäre das ein gravierendes, ein weltpolitisches Problem. Antisoziales Verhalten, sadistisches Aggressionspotenzial, eine misstrauisch-paranoide Grundhaltung: Das seien die Verhaltensweisen des bösartigen Narzissten.

Narzissten, sagt Haller, seien zutiefst unsichere Menschen, die keinerlei Kritik vertragen. Nach den chaotischen ersten Tagen von Donald Trump im Amt des US-Präsidenten habe sich nicht nur eine emotionale Kälte im Land ausgebreitet; Trump sei das Lachen inzwischen selbst vergangen: "Wirkte dieses bei ihm früher noch gequält und gekünstelt, so ist es jetzt überhaupt verschwunden. Offensichtlich bestätigt sich die Regel, wonach Narzissten mit ihren tief sitzenden Selbstwertzweifeln Gelächter fürchten wie der Teufel das Weihwasser. Sie könnten ja selbst ausgelacht werden - eine unerträgliche Vorstellung." Hallers Essay führt in die Untiefen dieses besonderen Persönlichkeitsprofils ein.

© SZ.de/luch/khil/stein
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