Prozess gegen Kunstberater Achenbach "Pass mal auf, wir verkaufen das dem Christian teurer"

Als er noch ein freier Mann war: Kunstberater Helge Achenbach posiert 2012 neben seinem Bentley S1, den der Künstler Beuys zu Lebzeiten fuhr.

(Foto: dpa)
  • Im Betrugsprozess gegen den Kunstberater Achenbach berichtet sein ehemaliger Mitarbeiter Kellein von hohen Preisaufschlägen für Kunstwerke an Kunden.
  • Kellein hatte großzügige Provisionen erhalten.
  • Auch der verstorbene Aldi-Erbe Berthold Albrecht soll massiv betrogen worden sein.

"Hohe Preisaufschläge"

Neues Jahr, neues Glück, heißt es ja. Ob 2015 allerdings auch für den Kunstberater Helge Achenbach eine Wende zum Guten bringen wird, ist derzeit vollkommen offen. Im Betrugsprozess, dem sich der 62-Jährige derzeit am Essener Landgericht stellt, musste er es am Montag zunächst einmal über sich ergehen lassen, dass weitere Einzelheiten seiner Geschäftspraktiken publik wurden.

Sein ehemaliger Mitarbeiter, der renommierte Kunsthistoriker Thomas Kellein wurde als Zeuge gehört. Durch einen Hinweis hatte er den Prozess überhaupt ins Rollen gebracht. Achenbach habe bei einigen Kunstverkäufen an den Pharma-Unternehmer Christian Boehringer "hohe Preisaufschläge" vorgenommen, sagte Kellein in einer zweieinhalbstündigen Vernehmung.

Zunächst habe er keinen Verdacht geschöpft: "Ich kannte Achenbach als bedeutenden Kunstberater und respektable Person. Ich war beeindruckt von ihm", sagte Kellein. "Als ich anfing, für Achenbach zu arbeiten, war ich naiv und gutgläubig."

Auf Empfehlung seiner Berater kaufte Boehringer recht spezielle Werke, zum Beispiel eine Stickarbeit von Alighiero Boetti, die von Handwerkern in Afghanistan angefertigt wurde.

Provision von 200 000 Dollar

Fünf auf Blättern geschriebene "Texte" des US-Konzeptkünstlers Lawrence Weiner, die später erst zu Kunstwerken verarbeitet werden sollten, kosteten circa 1,1 Millionen Dollar. Achenbach habe gesagt: "Pass mal auf, wir verkaufen das dem Christian teurer", gab Kellein an. Für die fünf Weiner-Texte zahlte Boehringer später etwa 1,8 Millionen Dollar, was einem Aufschlag von knapp 64 Prozent entspricht. Kellein bekam eine Provision von etwa 200 000 Dollar. "Ich fand das außergwöhnlich großzügig, eigentlich traumhaft", sagte er.

Da er für Achenbach nur als Berater gearbeitet habe und nicht in die Geschäftsvereinbarungen einbezogen gewesen sei, habe er aber zunächst keinen Verdacht geschöpft, sagte Kellein. "Ich habe gedacht: Na ja, so ist es halt."