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Prozess gegen HR-Sportchef:Gekaufte Stadtporträts

Der EX-Sportchef des Hessischen Rundfunks, Jürgen Emig, soll von der Stadt Friedberg 12.000 Euro erhalten haben. Dafür soll der HR ein Stadtporträt ausgestrahlt haben.

Am dritten Prozesstag gegen Jürgen Emig wurde untersucht, ob der ehemalige Abteilungsleiter Sport-Fernsehen beim Hessischen Rundfunk (HR) den Sponsoren besondere redaktionelle Zugeständnisse gemacht habe. Es geht um Zuschüsse hessischer Städte zur Finanzierung der HR-Übertragung der Ironman-Veranstaltung im Jahr 2003.

Dem ehemaligen Sportchef des Hessischen Rundfunks, Jürgen Emig, geht es an den Kragen: Vor dem Frankfurter Landgericht wird ihm Bestechlichkeit, Anstiftung zur Bestechung sowie Untreue und Betrug vorgeworfen.

(Foto: Foto: ddp)

Die Stadt Friedberg überwies der PR-Firma SMP, an der Emigs Ehefrau und sein ehemaliger Partner Harald Frahm beteiligt waren, 12.000 Euro und verlangte als Gegenleistung ein Stadtporträt, das der HR ausstrahlen sollte. Wie der Vorsitzende Richter Christopher Erhard aus einem Schriftwechsel weiter zitierte, kam es auch so.

"Jürgen Emig hat einen zweiminütigen TV-Beitrag zugesichert", so eine Email von Frahm an die Stadt mit Durchschrift an Emig. "Das ist eine unglückliche Geschichte", sagte Emig, der zuvor verneint hatte, redaktionelle Zugeständnisse gemacht zu haben. "Ich kenne den Schriftwechsel nicht." Die Anklage wirft Emig Bestechlichkeit, Untreue und Betrug vor. Ihm droht eine Haftstrafe.

Auch für das Radrennen "Rund um den Henninger-Turm" sind Kommunen als Sponsoren geworben worden. SMP erhielt von der Gesamtsumme zehn Prozent Provision für die Vermittlung. "Davon wussten die Kommunen nichts", sagte Bernd Moos-Achenbach, Geschäftsführer der Gesellschaft zur Förderung des Radsports, die das Rennen organisiert. "Den Sponsoren schien es wichtig zu sein, dass der TV-Redakteur Jürgen Emig der Ehemann der SMP-Geschäftsführerin war", so Moos-Achenbach.

Emigs ehemaliger ARD-Kollege Wilfried Mohren wird im Prozess gegen Emig nicht aussagen. Der frühere Sportchef des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) mache von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch und werde nicht zur Verhandlung erscheinen, teilte der Vorsitzende Richter mit. Der selbst wegen Bestechlichkeit, Untreue und Steuerhinterziehung angeklagte Mohren hätte eigentlich am kommenden Dienstag aussagen sollen.