Prozess gegen Coca-Cola Wem gehört der Nikolaus?

So sehen die Puppen aus der Werkstatt des Marionettentheaters Royal de Luxe aus. Typisch für die mechanischen Figuren ist unter anderem ihr Augenzwinkern.

(Foto: Christopher Furlong/Getty Images)

In einem Werbespot warb Coca-Cola mit einer Nikolausfigur, die an die Riesenmarionetten einer französischen Theatertruppe erinnert. Nun klagen die Künstler gegen den Konzern - und transatlantische Kulturdifferenzen brechen wieder auf.

Von Joseph Hanimann, Paris

Die wachsende Flut von Plagiatsprozessen in allen Bereichen der Kultur hat gerade einen besonders interessanten Fall zu Tage gebracht. Die in Nantes angesiedelte französische Theatertruppe Royal de Luxe, die mit ihren Riesenmarionetten Straßen und Plätze rund um die Welt in eine Märchenkulisse verwandelt, hat eine Gerichtsklage gegen den Konzern Coca-Cola eingereicht. Es geht dabei nicht um einen Plagiatsvorwurf im klassischen Sinn.

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Der überdimensionierte Weihnachtsmann, der in einem Werbespot für Coca-Cola vor zwei Jahren blinzelnd durch eine hypothetische Straße zog, war nicht direkt dem Royal de Luxe abgeschaut. Diese hatte eine solche Figur nie im Programm. Dennoch hat die Truppe den Konzern nun wegen "Parasitism" verklagt, auch als "Passing off" bekannt. Die Puppenmechanik, das besondere Augenzwinkern und die ganze "Liturgie" - das plötzliche Auftreten der Figur in einer fremden Stadt - seien eindeutige Wesensmerkmale der Kreationen aus der Werkstatt des seit 1979 bestehenden Royal de Luxe, erklärte der Anwalt der Truppe in Paris. "Parasitism" beziehe sich nicht auf ein konkretes geistiges Eigentum, sondern auf die "unrechtmäßige Aneignung fremder Erfindungen".

Truppe lehnte Werbefilm ab

Was auf den ersten Blick wie ein übermütiger Schlag ans Schienbein eines Giganten aussieht, erweist sich nach den Durchsuchungen bei Coca-Cola France als etwas solider. Der Konzern hatte der Truppe zuvor angeboten, bei seinem Werbefilm mitzuwirken, was diese ablehnte.

Vor der Produktion des Spots schrieb dann eine Juristin von Coca-Cola laut der Zeitung Le Figaro an einen Kollegen, die Truppe aus Nantes habe zwar kein Patentrecht auf die Puppenmechanik. Da dieser Typ von Marionetten aber mittlerweile eindeutig zum Erscheinungsbild von Royal de Luxe gehöre, würde sie dringend raten, entweder die Truppe ausdrücklich als Vorbild zu erwähnen oder aber die Puppenmechanik im Film so verschieden wie möglich zu gestalten, andernfalls wäre mit dem Risiko eines Prozesses auf "Parasitism" zu rechnen, mit schlechten Aussichten für Coca-Cola.

Vonseiten des Konzern heißt es, der Heilige Nikolaus gehöre nicht den Leuten von Royal de Luxe, und es könne auch gar kein Konkurrenzverhältnis bestehen, da Coca-Cola keine Theaterveranstaltungen produziere. Kühle Geschäftslogik trifft hier auf sensible Künstlerlogik. Die Assoziation seiner Kreationen mit einer Werbung für Coca-Cola sei eine "unverschämte Anmaßung", erklärte der künstlerische Leiter der Truppe in Nantes, Jean-Luc Courcoult.

Immer nur lächeln

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Alte transatlantische Kulturdifferenzen brechen wieder auf. "Wir sind keine subventionierten Parasiten", stellte der Geschäftsführer von Royal de Luxe gegen die Vorwürfe eines romantisch-naiven Antikapitalismus klar: Vier Fünftel des Umsatzes würden bei Auslandtourneen erwirtschaftet. Der in Nanterre bei Paris angelaufene Prozess verspricht erhellende Debatten über Plagiat, Parasitentum, künstlerische Weiterentwicklung und Geschäft.