Proteste gegen Film Kein Vorbild

Behinderte kritisieren Warners Liebesmelodram "Ein ganzes halbes Jahr", weil das Leben als Querschnittsgelähmter darin als unerträglich und nicht lebenswert dargestellt werde.

In den deutschen Kinos läuft Warners Liebesmelodram "Ein ganzes halbes Jahr / Me Before You" erst nächste Woche an, doch international zieht der Film schon kritische Stimmen von Behinderten-Vertretern auf sich. Am Mittwoch hat sich der querschnittsgelähmte amerikanische Autor Francesco Clark eingeschaltet, dessen autobiografischer Erfahrungsbericht "Walking Papers" in dem Film vorkommt - allerdings ohne sein Wissen und seine Einwilligung.

Das ist insofern relevant, als "Ein ganzes halbes Jahr" - und der Bestseller von Jojo Moyes, auf dem der Film basiert - das Thema Behinderung düster zeichnet. Der von Sam Claflin gespielten Hauptfigur fehlt der Wille, ein Leben mit Querschnittslähmung zu ertragen, daraus gewinnt der Film sein Drama. Francesco Clark steht jedoch gerade für einen entschlossenen Überlebenswillen, selbst gegen negative Prognosen der Ärzte - in diesem Sinn ist er auch Botschafter der Christopher & Dana Reeve Foundation geworden. "Ich wurde nie gefragt, ob mein Buch in den Film einbezogen werden darf", sagt er. "Der Film mag fiktional sein, aber mein Buch und mein Leben sind es nicht."

Auch bei der Londoner Premiere des Films Ende Mai gab es bereits Proteste von Aktivisten, die "Ein ganzes halbes Jahr" auf Bannern als "Behinderten-Snuff-Film" brandmarkten.