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Protest gegen Musikpreis:Marius Müller-Westernhagen gibt alle Echos zurück

Marius Müller-Westernhagen Echo Facebook

Marius Müller-Westernhagen kündigt an, alle seine Echos zurückzugeben.

(Foto: dpa)
  • Mit Marius Müller-Westernhagen, Igor Levit und Enoch zu Guttenberg geben weitere Künstler ihre Echos zurück.
  • Sie tun dies aus Protest gegen die Verleihung des Musikpreises an die Rapper Kollegah und Farid Bang.
  • Der Veranstalter des Musikpreises hat die Auszeichnung als Fehler bezeichnet und sich dafür entschuldigt.

Aus Protest gegen die Echo-Verleihung an die Rapper Kollegah und Farid Bang geben auch der Pianist Igor Levit und der Dirigent Enoch zu Guttenberg den Preis zurück. Wenig später gibt auch Sänger Marius Müller-Westernhagen bekannt, dass er seine Echos wieder zurückgeben werde.

Westernhagen schreibt auf seiner Facebook-Seite, dass "eine neue Stufe der Verrohung" erreicht sei. Er fährt fort: "Eine Industrie, die ohne moralische und ethische Bedenken Menschen mit rassistischen, sexistischen und gewaltverherrlichenden Positionen nicht nur toleriert, sondern unter Vertrag nimmt und auch noch auszeichnet, ist skrupellos und korrupt." Die beiden mit dem Echo ausgezeichneten Rapper sind für ihn keine Antisemiten, sondern "sie sind einfach erschreckend ignorant." Westernhagen gewann bislang insgesamt acht Echos, zuletzt wurde er 2017 für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Zudem wurde er 1995 in der Kategorie "Marketingleistung des Jahres für ein nationales Produkt" ausgezeichnet, diesen Echo hatte er aber seinen Mitarbeitern überlassen, wie die Bild berichtet.

Die Vergabe an die beiden Rapper sei für ihn "ein vollkommen verantwortungsloser, unfassbarer Fehltritt der Echo-Jury und gleichzeitig auch Ausdruck für den derzeitigen Zustand unserer Gesellschaft", schreibt Levit auf Twitter. "Antisemitischen Parolen eine solche Plattform und Auszeichnungen zu geben, ist unerträglich." Levit hatte 2014 einen Echo-Klassik erhalten.

Guttenberg und Andreas Reiner vom Orchester Klangverwaltung erklären in einem offenen Brief an den Bundesverband Musikindustrie: "Nachdem solch ein Preis nun im Jahr 2018 auch Verfassern von widerwärtigen antisemitischen Schmähtexten verliehen und noch dazu vom 'Ethikrat' Ihres Verbandes bedenkenlos freigegeben wurde, würden wir es als Schande empfinden, weiterhin diesen Preis in unseren Händen zu halten."

Guttenberg und das Orchester hatten 2008 einen Echo Klassik für ihre Einspielung der Vierten Symphonie von Anton Bruckner bekommen. "Das einstige Symbol für gute künstlerische Arbeit hat sich in ein schmutziges Menetekel für eine Entwicklung in unserem Land verwandelt, die uns mit tiefster Sorge erfüllt", heißt es weiter.

Der Veranstalter des Musikpreises Echo hat die Trophäe für das als antisemitisch kritisierte Rap-Album von Kollegah und Farid Bang als "Fehler" bezeichnet. Das schreibt der Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes Musikindustrie, Florian Drücke, am Dienstag in einem Brief an die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch. "Wir entschuldigen uns ausdrücklich dafür - bei Ihnen und allen anderen Menschen, deren Gefühle wir verletzt haben."

Knobloch hatte die Auszeichnung als "verheerendes Zeichen" bezeichnet. Gerade erst entstehe in Deutschland die "ersehnte Sensibilität für den erstarkten Antisemitismus in unserer Gesellschaft, insbesondere an Schulen".Knobloch habe mit ihrer Kritik vollkommen Recht, so Drücke. "Wir als Vorstand haben das falsch bewertet und wollten uns an der falschen Stelle für die künstlerische Freiheit einsetzen." Das Geschehene sei nicht mehr rückgängig zu machen. "Wir können allerdings vermeiden, dass solche Fehler in Zukunft wieder geschehen."

Mehrere Künstler geben Echos zurück

Zuvor hatten bereits Klaus Voormann und das Notos Quartett aus Berlin ihre Echos zurückgegeben. Der Sänger Peter Maffay forderte die Verantwortlichen zum Rücktritt auf. Der Präsident des Deutschen Kulturrats, Christian Höppner, zog sich inzwischen aus dem Beirat des Musikpreises zurück. Der Beirat habe sich in Abwägung zwischen Kunstfreiheit und Nichtzulassung zugunsten der Kunstfreiheit durchgerungen. Diese Entscheidung sei ein Fehler gewesen.

Am vergangenen Donnerstag waren die Rapper Kollegah und Farid Bang mit dem Musikpreis für ihr Album "Jung, Brutal, Gutaussehend 3" ausgezeichnet worden, das als antisemitisch kritisiert wird. Es enthält Textzeilen wie "Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen" und "Mache wieder mal 'nen Holocaust, komm' an mit dem Molotow".

© SZ.de/dpa/cag/bix/gal/rus

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