Protest gegen Künstler Anish Kapoor Ärger um eine Vagina in Versailles

Das Stahlkonstrukt des Anstoßes: die "Vagina der Königin" von Anish Kapoor im Schlossgarten von Versailles.

(Foto: Reuters)

Passt eine Vagina in den Schlossgarten von Versailles? Nein, finden einige Franzosen - und protestieren gegen eine Installation des Künstlers Anish Kapoor. Der dürfte sich darüber freuen.

Boykott-Aufrufe, Petitionen, patriotische Wut: Mit solch heftigen Reaktionen auf seine Ausstellung am Schloss von Versailles hat Anish Kapoor wohl nicht gerechnet. Er habe zwar Protest erwartet, jedoch nicht in diesem Ausmaß, erklärte der indisch-britische Bildhauer vor der Eröffnung seiner Ausstellung im Schlossgarten von Versailles. Auslöser der Empörung ist sein Kunstwerk "Vagina der Königin", eine etwa zehn Meter hohe Skulptur aus verrostetem Stahl mit einem riesigen Loch in der Mitte. Die Riesenplastik ist eines der sechs monumentalen Werke Kapoors, die von Dienstag an bis zum 1. November in Versailles zu sehen sein sollen.

Jeder dürfe darin sehen, was er wolle, sagte Kapoor im Hinblick auf den Protest. Polemiken auszulösen, gehöre zur Arbeit eines Künstlers dazu, rechtfertigte sich der 61-Jährige auf einer Pressekonferenz in Versailles, die vor der Eröffnung anberaumt worden war. Es sind Erklärungen, die den Zorn bislang kaum beschwichtigen konnten.

Die Vereinigung CitizenGo ruft in einer Online-Petition dazu auf, die Skulpturen des Künstlers abzubauen: Sie entstellten mit ihrem "sexuellen Charakter" den Ort Versailles. "Diese Installationen und vor allem die 'Vagina der Königin' empören zahlreiche Franzosen und Liebhaber von Versailles, für die die kulturellen Werte Frankreichs, sein historisches Kulturerbe und die Würde der Frau von Bedeutung sind", steht auf der Website. CitizenGo definiert sich als eine Vereinigung von Bürgern zur Verteidigung christlich-humanistischer Prinzipien.

Aufruf zum Boykott

Die Protestwelle ausgelöst hat ein Interview des Künstlers in der französischen Sonntagszeitung Le Journal du Dimanche (JDD). Darin bezeichnete er die Arbeit inmitten von 500 Tonnen Steinblöcken aus Belgien als "Vagina der Königin, die die Macht ergreift". Reaktionen rechter und patriotischer Blogs und Internetportale ließen nicht lange auf sich warten. Sie bezeichnen die Installation als "Schande" oder "Provokation". Einige riefen zum Boykott der Ausstellung auf.

Kapoor spielt bei seiner Ausstellung in Versailles mit ganz unterschiedlichen Materialien und Bezügen. Die Werke "C-Curve" und "Sky Mirror", in denen sich das Schloss und die Besucher verkehrt herum spiegeln, sind Hinweise auf den mehr als 300 Jahre alten Spiegelsaal des Schlosses. Die Kunst-Kanone "Shooting Into The Corner", die schon vor zwei Jahren in Berlin im Martin-Gropius-Bau in eine Raumecke feuerte, steht in der Ballsporthalle "Jeu de Paume", einem symbolträchtigen Ort. Nach Lesart vieler Historiker begann hier 1789 die Souveränität des französischen Volkes.

Kapoor ist nicht der erste Künstler, der mit einer Ausstellung in Versailles die Gemüter bewegt. Der Amerikaner Jeff Koons löste mit seinen aufgeblasen wirkenden Figuren im Jahr 2008 ebenfalls Proteste aus.

In der französischen Sonntagszeitung JDD sagte Kapoor, seine Skulpturen sollten das geometrische Gleichgewicht des Barockgartens von André Le Nôtre stören: "Ich wollte das Chaos einladen."