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"Promised Land" im Kino:In Frage gestellte Loyalitäten

Die erzählerische Routine, die sich durch den Film zieht, wurzelt in der langen Arbeitsfreundschaft zwischen Gus Van Sant und Matt Damon. Damon hat gemeinsam mit John Krasinski das Drehbuch zu "Promised Land" geschrieben. Eine vertraute Konstellation. Vor gut fünfzehn Jahren begann Damons Aufstieg in Hollywood damit, dass er gemeinsam mit Ben Affleck das Oscar-prämierte Drehbuch zu "Good Will Hunting" schrieb. Van Sant übernahm die Regie, Damon und Affleck spielten die Hauptrollen.

Die Routine ist hier das Problem. Für "Promised Land" werden Damon und Krasinski keine Oscars bekommen. Krasinski, der in den USA aus der (grandiosen) Fernsehserie "The Office" bekannt ist, wird auch nicht in die nächste Hollywood-Liga aufrücken. Dabei haben sie gemeinsam durchaus eine Spur zur Zwiespältigkeit der Fracking-Debatte gelegt.

Die Drehs und Wendungen stellen immer wieder die Loyalitäten des Publikums in Frage. Ist der Schutz des Landes nun wichtiger - oder das Überleben der Farmer? Der Film entscheidet sich zum Schluss, mit einem schlichten Ende und einer gehörigen Portion Pathos. Die politischen Erwartungen von Van Sants Stammpublikum erfüllt er durchaus - doch es bleibt ein Gefühl der Leere. Weil einem die künstlerischen Erwartungen bei einem Van Sant-Film eben wichtiger sind als umweltpolitische Impulse.

Dabei hätte kein Regisseur die Zwiespältigkeit der Fracking-Debatte besser aus seinem Werk heraus entwickeln können. Für die USA hat das Thema ja nicht nur umweltpolitische, sondern historische Dimensionen. Mit Hilfe des Frackings könnten die USA den Zustand der geopolitischen Glückseligkeit erreichen - die Unabhängigkeit von ausländischen Energiequellen. Die Gedankenkette, die daraus folgt, macht es schwer, sich in der Debatte ideologisch zu entscheiden.

Interessante Zwiespältigkeiten

Würden die USA die energiepolitische Unabhängigkeit erlangen, wäre ihre Interesse an den Ölquellen im arabischen und vorderasiatischen Raum Makulatur. Damit könnten sich weltpolitische Konflikte entschärfen - wenn auch durch wirtschaftliche Entmachtung für die meisten Ölstaaten, deren innenpolitische Destabilisierung dann schwer abzusehen wäre.

Gleichzeitig könnten die USA ihre militärischen Ausgaben senken und mit diesen Geldern - und der Brückentechnologie des Fracking - die Führung in der globalen Energiewende übernehmen. Wenn sich die Nation auch von der Ideologie der fossilen Energiegewinnung lösen könnte.

Erzählerisch hätte der identitätspolitisch versierte Gus Van Sant so viel Zwiespältigkeit durchaus meistern können. Ein Jammer, dass er sich ausgerechnet jetzt auf die Sicherheit der Routine besann.

Promised Land, USA 2012. Regie: Gus Van Sant. Buch: Matt Damon, John Krasinski. Kamera: Linus Sandgren. Mit Matt Damon, John Krasinski, Frances McDormand. Verleih: Universal, 106 Min.