Auch Bertolt Brecht hatte sich mit dem Plagiatsvorwurf auseinanderzusetzen. Nach der Premiere der Dreigroschenoper trat der Theaterkritiker Alfred Kerr mit der Behauptung auf, Brecht habe sich kräftig an Liedern des mittelalterlichen Barden François Villon bedient.

Kerr konnte seine These mit wortgetreuen Übereinstimmungen beider Werke belegen. Brecht, der den historischen Bezug im Programmheft nicht erwähnt hatte, glättete die Wogen mit einem selbstverfassten Sonett mit dem Titel Laxheit im Umgang mit geistigem Eigentum, in dem er augenzwinkernde Selbstkritik übt: "Nehm jeder sich heraus, was er grad braucht! Ich selber hab mir was herausgenommen." Auch Hegemann hielt es in ihrer Verteidigungshaltung eher mit Brecht - und erhob das Plagiat gleich zur Kunstform.

Bild: dpa 18. Februar 2010, 12:342010-02-18 12:34:00 © sueddeutsche.de/kar