Das doppelte Nymphchen: International für Aufregung sorgte eine Entdeckung des Literaturkritikers Michael Maar von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. In einem Erzählband des nahezu unbekannten deutschen Autors Heinz von Lichberg stieß er 2004 auf eine Geschichte, die deutliche Paralellen zum großen Skandalroman des zwanzigsten Jahrhunderts, Lolita von Vladmir Nabokov, aufwies.

Maar begründete sein Déjà-vu-Erlebnis umfassend: "Erstens: Es ist derselbe Name der Heldin und der identische Titel. Zweitens: Sie ist blutjung. Drittens: Sie ist die Tochter des Vermieters einer Pension am Meer (eines Sees), in der der Ich-Erzähler Urlaub verbringen will. Viertens: Sie hat eine Affäre mit diesem Erzähler und verführt ihn. Fünftens: Sie ist wie das spätere Nymphchen eine Wiedergängerin, und wie in der späteren Lolita ist das Thema der Bann der Vergangenheit. Sechstens: Das Finale ist eine groteske, traumartige Mordszene. Siebtens: Nabokovs Lolita stirbt nach der Entbindung eines Mädchens, Lichbergs Lola wird nach der Geburt ihrer Tochter ermordet. Der Erzähler bleibt gebrochenen Herzens zurück, wurde aber von Lolita zum Dichter gemacht."

Tatsächlich müssen die Ähnlichkeiten beider Werke nicht rein zufällig sein, ...

Dominique Swain im Film "Lolita" von 1997.

Bild: dpa 18. Februar 2010, 12:342010-02-18 12:34:00 © sueddeutsche.de/kar