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Produzent Menachem Golan:Israels "Mr. Cinema" ist tot

Im Mai stellte die israelische Produzentenlegende Menachem Golan noch einen Film in Cannes vor. Jetzt starb der 85-jährige in Tel Aviv.

(Foto: AFP)

Sharon Stone, Jean-Claude Van Damme und Chuck Norris verdanken ihm ihre Karriere: Der israelische Produzent Menachem Golan war eine große Nummer in Hollywood, bis ihn ambitionierte Filmprojekte an den Rand des Ruins trieben. Am Freitag starb er mit 85 Jahren.

  • Menachem Golan ist tot. Der israelische Filmproduzent und Studiobesitzer verstarb im Alter von 85 Jahren in Tel Aviv.
  • Golan leitete von 1979 bis 1989 die Hollywood-Produktionsfirma Cannon und produzierte bis zu 40 Filme pro Jahr.

Menachem Golan war Israels "Mr. Cinema"

Der israelische Filmproduzent und ehemalige Hollywood-Studiobesitzer Menachem Golan ist im Alter von 85 Jahren in Tel Aviv gestorben. Golan verlor am Freitag bei einem Familienbesuch im Stadtteil Jaffa das Bewusstsein und konnte von Rettungskräften nicht mehr wiederbelebt werden, berichteten israelische Medien.

Zehn Jahre Hollywood, Action und Sex

Der in Tiberias am See Genezareth geborene Golan leitete zusammen mit seinem Cousin Joram Globus von 1979 bis 1989 die legendäre Hollywood-Produktionsfirma Cannon. In einer Zeit enormer Nachfrage nach neuen Kinofilmen produzierte Cannon mehr als 40 Filme im Jahr. Zumeist handelte es sich um billig gemachte Action-Filme mit viel Gewalt und Sex, die Titel trugen wie "Invasion U.S.A.", "Ninja - die Killermaschine" oder "Over the Top". Stars wie Chuck Norris, Jean-Claude Van Damme und Sharon Stone verdanken ihre Entdeckung dem ehrgeizigen Selfmade-Man, der sich zum mächtigen Filmboss hochgearbeitet hatte.

Golan, der anfangs unter Roger Corman als Regie-Assistent gearbeitet hatte und später bei vielen Filmen selbst Regie führte, hegte auch künstlerische Ambitionen. 1987 drehte Jean-Luc Godard unter seiner Produktion seinen "King Lear" nach Shakespeare, 1986 verfilmte Franco Zeffirelli für Cannon die Verdi-Oper "Otello".

Cannon besaß zur Zeit ihrer Hochblüte 1200 Kinos in den USA und Europa. Die Produktionsfirma erwirtschaftete Umsätze von bis zu einer Milliarde Dollar im Jahr. Doch kostspielige Projekte wie Franco Zeffirellis opulente "Otello"-Verfilmung, Roman Polanskis aufwändig gedrehter, von der Kritik eher ungnädig aufgenommener Film "Piraten" (1986) oder "Superman 4" mit Christopher Reeve trieben den Konzern in die Verschuldung.

Golan und Globus verkauften ihn schließlich an den Großverleiher Pathé. Privat zerstritten sich die beiden Cousins - und versöhnten sich später wieder. Golan kehrte Mitte der 1990er Jahre nach Israel zurück. Bis 2008 drehte er als Regisseur zahlreiche weitere Filme.

© SZ.de/dpa/chwa/sks

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