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Pro und Contra: Lena Meyer-Landrut:Lena für Deutschland - gut oder schlecht?

Der Hype um Lena Meyer-Landrut schlägt ungeahnte Wellen. Unsere Autorin Ruth Schneeberger findet ihn unheimlich - Katharina Riehl ist selbst ein Fan.

Pro Lena Meyer-Landrut: Sie hat den Hype um ihre Person verdient, findet Katharina Riehl.

Lena Meyer-Landrut

Hoffnung für Deutschland oder völlig überschätzt? Lena Meyer-Landrut singt beim Eurovision Song Contest in Oslo.

(Foto: online.sdekultur)

Es war gleich die erste Folge der Sängersuche für den Wettbewerb in Oslo. Lena Meyer-Landrut hatte gerade das Lied My Same der britischen Soul- und Jazzsängerin Adele mehr ins Mikro geplaudert als gesungen, da erzählte Chefjuror Stefan Raab eine Geschichte von den Proben: Als Lena mit der Band ihren Beitrag übte, hatte ihr einer der Musiker vorgeschlagen, vielleicht doch lieber ein anderes Lied zu singen. Ein Lied, das die Leute auch kennen, sonst sei die Chance, die Zuschauer am Fernseher zum Anrufen zu bewegen sehr gering.

Lena antwortete darauf, sie würde gerne das Lied spielen, das sie sich ausgesucht habe. Und wenn die Menschen das nicht hören wollen, dann ginge sie eben wieder nach Hause.

Etwas Besseres hätte gar nicht passieren können

Egal, was in den vergangen Wochen so über Lena ans Tageslicht befördert wurde: Lena Meyer-Landrut ist das Beste, was dem Eurovision Song Contest aus deutscher Sicht passieren konnte - und mit Sicherheit etwas vom Besten, was dem deutschen Fernsehen seit langem widerfahren ist.

Und zwar einfach deshalb, weil sie sich traut, Lieder zu singen und Dinge zu sagen, die man - aus langjähriger Castingshow-Erfahrung - von einer 19-Jährigen nicht erwarten würde. Nach all den Jahren, die wir dabei zugesehen haben, wie Heidi Klum die "Mädchen" in ihrer Sendung zu gefügigen Laufstegbienchen dressierte und Dieter Bohlen seine Kandidaten mundtot pöbelte, muss man Lena einfach großartig finden: Weil sie auf blöde Fragen blöde Antworten gibt und weil es am Ende völlig egal ist, ob sie nun alle Töne trifft oder eben nicht.

Denn es spielt doch eigentlich keine Rolle, ob ihre vielbeschworene Natürlichkeit nun gottgegeben oder von ihr selbst geschickt als Masche in Szene gesetzt wurde - einfach deshalb, weil es eine gute Masche ist. Lena Meyer-Landrut ist - darüber kann kaum ernsthaft diskutiert werden - ein Typ Jungstar, wie er (wenn überhaupt) höchst selten ist in der deutschen Medienlandschaft.

Sie ist frech und unkonventionell (man denke zum Beispiel an ihren Auftritt bei Wetten dass..?, wo sie Thomas Gottschalks Altherrenhumor so souverän auflaufen ließ wie wenige zuvor). Sie macht Musik außerhalb des Mainstreams, sie stylt, sie bewegt sich so, wie man es in den Castingschmieden des Landes noch nicht gesehen hat.

Lippenstift mit Fanta-Geschmack

Lena Meyer-Landrut ist in kürzester Zeit ein Medienstar geworden, sie hat es geschafft, eine Marke zu etablieren, mit der sie Erfolg hat - ganz im Gegensatz zu all den medialen Eintagsfliegen. Es besteht die Aussicht, dass dieser Erfolg noch eine Weile anhalten könnte. Hier wirkt die Marke einer schrägen, klugen, jungen Frau mit Hang zum Sprechgesang sowie Lippenstift mit Fanta-Geschmack.

Man darf wohl davon ausgehen, dass auch Lady Gaga nicht mit burlesquen Engelskostümen ins Bett geht. Auch sie hat eine Marke gefunden, die sie höchst erfolgreich besetzt. So funktioniert dieses Business nun mal. Beide wissen sich in Szene zu setzen, mit den Medien und ihren Fans umzugehen. Wenn Lena Meyer-Landrut ihr Gespür für die gekonnte Inszenierung nicht verliert, werden wir in den nächsten Jahren noch einiges von ihr hören. Hoffentlich.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum einem der Hype um Lena Meyer-Landrut mehr als unheimlich sein kann.

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