Premiere: "Die Rückkehr des Königs" Hoppe, Hoppe, Hobbit

Der letzte Teil der "Herr der Ringe"-Trilogie wird zuerst im neuseeländischen Wellington gezeigt. Die Stadt hat sich darauf vorbereitet wie auf eine Fußballweltmeisterschaft.

Von FRITZ GÖTTLER

Das Ende ist nah, definitiv. Heute Wellington, in zwei Wochen die ganze Welt. Heute hat in der neuseeländischen Hauptstadt "Die Rückkehr des Königs" Premiere, der dritte Teil der "Herr der Ringe"-Trilogie. Ab 17. Dezember wird er in den Kinos weltweit zu sehen sein. Das mit der Premiere in Wellington hatte sich Regisseur Peter Jackson vertraglich zusichern lassen, und es ist mehr als eine Dankesgeste an sein Heimatland, dessen Hügel, Wälder und Höhlen er in jahrelanger Arbeit Tolkiens Mittelerde anverwandelt hatte. Zaghaft hatten in den Neunzigern Filme aus Neuseeland sich auf dem Weltmarkt versucht, Peter Jackson mit seinen barbarischen Slasher-Komödien auf der einen Seite, auf der anderen Jane Campion mit "Piano", einer dichten Studie im psychologischen Unterholz. Nun hat Campion mit Meg Ryan den New Yorker Schlitzer-Film "In the Cut" gedreht und Peter Jackson wird die mythische Aura kaum mehr los, die ihn nach der Tolkien-Trilogie umgibt.

Stealing Beauty: Liv Tyler spielt Arwen - auch in der letzten Folge der Trilogie

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Seine Heimatstadt Wellington ist in karnevaleskem Taumel seit einigen Tagen. Die Stars der Filme sind in der Stadt, von Liv Tyler und Viggo Mortensen bis Ian McKellen und Andy Serkis. Viggo Mortensen hat eine Ausstellung mit Fotos und Poesie eröffnet, Sir McKellan prunkt als Gandalf auf einer Hochhausfront - Reklame für eine sechsteilige Briefmarkenserie.

Hobbits und Orks tummeln sich auf den Straßen, Fans der Stadt in Verkleidung, oder, als Pappfiguren, auf den Gebäuden der Stadt. Nur einer fehlt, grollend, schmollend - Christopher Lee, dessen Szenen als Saruman Jackson herausgeschnitten hat - der Film war zu lang geraten.

Es ist nicht einfach, einen Mythos zum Leben zu erwecken - und nicht billig. Die Stadt und der Staat haben sich die Premiere einiges kosten lassen, haben mit mehreren Millionen Euro renoviert und infrastrukturell nachgebessert. Ein kommunalpolitischer Kraftakt, wie man ihn bei uns bei sportlichen Events kennt - Olympische Spiele, Fußballweltmeisterschaft. Neuseeland hofft auf kräftige Impulse für den Tourismus - und für die einheimischen Filmstudios. Die Infrastruktur, die Peter Jackson schuf, soll weltweit große Produktionen anlocken und ist durchaus attraktiv in einer Zeit, da sogar Hollywood-Produzenten bessere, billigere Produktionsstätten in aller Welt suchen.

Für "The Last Samurai", den neuen Tom-Cruise-Film, durfte die neuseeländische Landschaft das Japan des 19. Jahrhunderts doubeln, für ihren Sylvia-Plath-Film hat Christine Jeffs - eine Neuseeländerin - einige Szenen in Dunedin gedreht, der britischen Atmosphäre wegen. Die tägliche Arbeit am Mythos Mittelerde hat dem Land ein neues Selbstbewusstsein gegeben - jeder hat irgend jemanden in seiner Verwandtschaft gehabt, der an der "Ringe"-Produktion beteiligt war - als Statist einen Elben oder Ork verkörperte, Stühle für die Hobbits schreinerte oder Schriftrollen mit geheimnisvollen Zeichen füllte. Nun, nachdem der Schleier des Mysteriums, den Peter Jackson um seine Produktion legte, gelüftet wird, kommt der gefährlichste Teil dieses traumhaften Projekts - das Aufwachen.