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Preisträgerkonzert:Romantische Intensität

Pianistin Svetlana Marinchenko gewinnt Kurt-Maas-Jazz-Award

Von Ralf Dombrowski

Wenn eine Hochschule einen Preis vergibt, sollte es nicht vorrangig um Euros gehen. Denn die kann man auch mit Kellnern oder dem Einräumen von Regalen verdienen. Die institutionelle Struktur indes steht einzelnen Musikern oft abweisend gegenüber, durchaus groß ist die Konkurrenz ähnlich Qualifizierter, die sich um Meisterkurse, Auftrittsorte und Aufmerksamkeiten balgen. "Mir war es wichtig", sagt Camilo Dornier, der Stifter des Kurt-Maas-Jazz-Awards, "dass am Ende auch etwas Sinnvolles herauskommt. Und da orientiere ich mich gerne an Kurt Maas, der seit den Siebzigern den Aufbau der Jazzabteilung an der Münchner Musikhochschule vorangetrieben hat".

Zur Erinnerung: Kurt Maas, ursprünglich Akkordeonist aus dem Sudetenland mit Faszination für Jazz, gehörte nach seinen Anfängen in verschiedenen Tanzcombos in den Sechzigern zunächst zum Münchner In-Zirkel um Live-Clubs wie das "Domicile" in der Türkenstraße. In Berklee ausgebildet, kümmerte er sich seit den Siebzigern vermehrt um Pädagogisches, etablierte seinen legendären Notenversand und machte sich für den Jazz an der Hochschule stark. Nachdem das Finanzministerium lange die Bezuschussung verweigerte, drehte in den späten Achtzigern der Wind und 1991 wurde Jazz als Hauptfach am Richard-Strauss-Konservatorium eingeführt, mit Maas als Leiter bis 2008. So ist es verständlich, dass der Award seinen Namen trägt, zumal auch der junge Dornier einst als jazzbegeisterter Pianist viele Anregungen von Maas bekam, auch wenn sich der Enkel des Flugbaupioniers Claude Dornier später für Betriebswirtschaftliches als Brotjob entschied: "Bei der Beerdigung von Kurt Maas 2011 habe ich dann Claus Reichstaller getroffen, der ja inzwischen die Jazzabteilung leitete. Und wir waren beide der Meinung, dass ein Award das Richtige sein würde, um im Geiste des Gründers jungen Musikern zu helfen". So wurde 2013 erstmals der Wettbewerb veranstaltet, der nun im zweijährigen Turnus in die vierte Runde ging.

Von den fünf Bands, die es ins Finale geschafft hatten, durften die ersten drei beim Preisträgerkonzert (mit Patti Austin als Ehrengast) im Carl-Orff-Saal zeigen, was die insgesamt sechsköpfige Jury überzeugte. Der Trompeter Vincent Eberle präsentierte sich als Leiter eines neben der Rhythmusgruppe mit Gitarre und Baritonsaxofon üppig besetzten Sextetts, dessen klangliche Fülle er geschickt einzusetzen verstand. Die Arrangements transparent und klar auf elegante Wirkung zugeschnitten, konnte er seine Linien ebenso integrativ wie markant auf das Geschehen setzten, als Richtungsgeber, aber nicht erdrückend dominant. Als dritten Preis kann er sich nun die Teilnahme an einer internationalen Jazz-Akademie aussuchen, eine Auszeichnung mit Option. Platz zwei ging ebenfalls an einen Trompeter. Gero Hensel nahm sein Instrument deutlich kraftvoller in die Hand, auch er ein Freund des ungewöhnlichen Gruppenklangs mit der Sängerin Yeahwon Shin als zweite Lead-Stimme seines Quintetts. Er wird als Preis demnächst im Night Club des Bayerischen Hofs zu erleben sein, ein exquisiter Auftritt im Rahmen internationaler Vorbilder.

Den Hauptpreis gewann die russische Pianistin Svetlana Marinchenko, die mit einem kurzen Trio-Set dokumentierte, dass sie bereits sehr weit in die Regionen der modern romantischen Intensität und Eloquenz vorzudringen versteht. Sie wird zur Sommerakademie nach Berklee in Boston fahren, der Kaderschmiede des internationalen Jazz, mit der die Hochschule für Musik und Theater München seit Jahren zusammenarbeitet. So schließt sich auch der Kreis. Denn sowohl Maas als auch Dornier haben einst in Berklee die weite Welt des Jazz kennengelernt. Nun sind die nächsten dran.

© SZ vom 11.02.2019
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