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Pornografieverbot im Internet:Beide Hände auf die Tastatur!

Deutscher ´Porno-König" Thylmann festgenommen

Der britische Premier Cameron argumentiert, die jüngsten Bürger des Landes vor sexueller Gewalt schützen zu wollen

(Foto: Boris Roessler/dpa)

In Großbritannien und Island mobilisiert die Debatte um einen Filter für Internetpornografie Gegner und Unterstützer. Beide Seiten wiederholen Argumente aus den Achtzigerjahren und vergessen dabei: Ein Verbot hilft der Gleichberechtigung nicht weiter.

Am 22. Juli verkündete der britische Premierminister David Cameron, dass von Ende nächsten Jahres an sämtliche Internet-Provider den Zugang zu Online-Pornografie filtern werden. In seiner Verlautbarung argumentierte Cameron, dies sei ein wichtiger Schritt, um die jüngsten Bürger des Landes zu schützen.

Haushalte, die auf Pornografie nicht verzichten wollen, werden ihre Provider ausdrücklich darum bitten müssen, die Filter abzustellen, die standardmäßig eingeschaltet sein werden. Kurz gesagt: Erwachsene, die gerne erwachsene Dinge ansehen, werden ihre Internetfirma anrufen und deutlich sagen müssen: "Ich möchte bitte Pornografie ansehen."

Gegen sexuelle Gewalt und Kinderpornografie

Camerons Ankündigung folgte auf einen Vorschlag von Islands Innenminister Ögmundur Jónasson vom Anfang des Jahres, alle Formen von Pornografie zu verbieten, sei es in gedruckter Form oder im Internet. Der Aufschrei war groß. Es wäre der erste Versuch eines flächendeckenden Porno-Verbots in einer westlichen Demokratie. Sex vom Kommerz zu befreien, versucht die isländische Regierung allerdings schon länger: Bereits 2009 hatte das Parlament bezahlten Sex für illegal erklärt. Strip-Clubs wurden 2010 verboten. Streng genommen, ist auch Pornografie seit Jahrzehnten nicht mehr erlaubt. Das Verbot wurde allerdings nie vollständig umgesetzt, und so blieben Playboy, Sexshops und Online-Pornografie auch in Island Teil der kulturellen und ökonomischen Landschaft.

Nach Beratungen mit der Polizei und mit Erziehungs- und Gesundheitsexperten stellte die damalige, inzwischen abgewählte rot-grüne Regierung fest, dass Pornografie für Frauen und besonders für Kinder eine Gefahr darstellt. "Wenn ein Zwölfjähriger bei Google ,Porno' eingibt", so die politische Beraterin des Innenministers, Halla Gunnarsdóttir, zu der kanadischen Zeitung The Globe and Mail, "dann wird er oder sie nicht Fotos von einer nackten Frau draußen auf dem Feld finden, sondern harte und brutale Gewalt."

Schwarze Liste für Suchmaschinen

Dieses Hardcore-Material wollte die damalige Regierung ins Visier nehmen. Sie wollte nicht alle Abbildungen von Nacktheit verbieten, sondern nur solche, die Sex in "gewalttätiger" oder "verächtlicher" Weise darstellen. "Wir sind eine progressive, liberale Gesellschaft, wenn es um Nacktheit oder sexuelle Beziehungen geht", sagte Gunnarsdóttir.

Nun findet man diese Sprache der progressiven Gender-Politik und Bürgerrechte zwar nicht in Camerons Ankündigung, aber sein Ansatz ist ähnlich, wenn er behauptet, dass es ihm vor allem darum geht, sexuelle Gewalt und Kinderpornografie zu zensieren. Er verkündete auch, dass Suchmaschinen per Gesetz die Suche nach Begriffen blockieren sollen, die auf einer schwarzen Liste stehen, welche das britische Zentrum für Kindesmissbrauch und Online-Schutz erstellen soll. "Ich habe eine klare Botschaft an Google, Bing, Yahoo und den Rest", sagte Cameron. "Sie sind verpflichtet, danach zu handeln. Es ist eine moralische Pflicht."

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