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Film von Erika Lust im Kino:Die entspannten Frauen des Hardcore-Pornos

XConfessions Night

In einer Episode von "XConfessions Night" werden erotische Fantasien aus der Literatur wahr.

(Foto: Busch Media)

Die Selbstkontroll-Kommission des deutschen Films hat nichts mehr gegen Pornografie von Frauen - und auch eine romantische Komödie beschäftigt sich mit dem Genre.

Von Doris Kuhn

Sexpositiv ist das Wort, das hier als erstes fällt. Es steht gleich in der Ankündigung von "XConfessions Night", einem pornografischen Film von Erika Lust, den der Verleih Busch Media Group jetzt ins Kino bringt. Will heißen, der Film wurde bei der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) eingereicht, geprüft und freigegeben. Das hat Neuigkeitswert - laut Verleih ein "bis dato einzigartiger Vorgang". "XConfessions Night" war also sexpositiv genug selbst für die FSK.

Erika Lust dreht Pornos seit über zehn Jahren. Ihre Filme laufen auf Festivals, sie gilt als Vertreterin einer feministischen Pornografie. "XConfessions Night" ist eine Zusammenstellung aus acht erotischen Fantasien, in denen alles explizit zu sehen ist, was üblicherweise im Porno vorkommt, von der Penetration bis zum Cumshot. Die Episoden sind von Frauen inszeniert, aus der Perspektive der weiblichen Beteiligten erzählt, suchen inhaltlich keineswegs bloß den Lustgewinn der Männer und lassen dem Sex kleine Geschichten vorangehen, die mal mehr, mal weniger amüsant sind.

Mit "XConfessions Night" wird Pornografie also in die öffentliche Unterhaltungsmaschinerie eingebaut, die Absicht ist frauenfreundlich, das Ziel ein unverkrampftes Verhältnis zwischen Erotikfilm und Publikum. Als wär's ein Lehrbeispiel dazu, startet parallel die amerikanische Komödie "Brave Mädchen tun das nicht", die lose auf dem Bestseller "Pornology" basiert. Hier gibt es keinen expliziten Sex, aber die Hauptfigur Lucy schaut sich Pornos an, um festzustellen, wie verklemmt oder befreit sie darauf reagiert. Daran lernt Lucy, ihre Prüderie zu erkennen - und übt anschließend, sie zu verlieren.

Die brave Lucy stellt sich selbst zwölf Sex-Aufgaben

Zu diesem Zweck schreibt sie sich eine Liste mit zwölf Sex-Aufgaben, die sie abarbeiten will. Darunter finden sich Sachen wie, eben, Pornos schauen, Sexspielzeug ausprobieren, obszöne Satzfetzen überzeugend darbieten. Dabei gerät sie von einer Panne in die nächste, was den charmanten, manchmal auch den komödiantischen Aspekt des Films der Riedell-Brüder ausmacht. Bei Erika Lust wiederum kann man ähnliche Szenarien in der pornografischen Variante durchgespielt sehen, so ergeben die beiden Filme, zeitgleich in den Kinos, eine skurrile Kombination.

Wie Lucy bei jeder ihrer Sex-Aufgaben ein kleines Abenteuer erlebt, zeigt Erika Lust, bevor sie zur Sache kommt, jeweils eine Geschichte. Da gibt es das traurige Mädchen und ihren Skilehrer; einen Wunsch nach Verführung im öffentlichen Raum; die erotische Verwandlung einer Frau in einen Comic-Strip. Die Stories basieren laut Lust auf Ideen ihres Publikums, wobei in diesem Genre der einführende Plot nicht sonderlich rar ist. Tatsächlich ist die Form so alt wie der pornografische Film selbst: "A Free Ride", der erste bekannte amerikanische Porno, wird auf das Jahr 1915 datiert. Er erzählt von zwei jungen Damen, die sich von einem Herrn im Auto mitnehmen lassen und ihn erst nach ein wenig Fahrt, ein wenig Voyeurismus, in Intimitäten verwickeln.

Der Unterschied zwischen der Komödie der Riedell-Brüder und "XConfessions Night" ist trotzdem eklatant - es ist der Unterschied zwischen Pornografie und allen anderen Filmgenres. Der liegt nicht bloß darin, dass Pornos den Geschlechtsverkehr in Großaufnahme zeigen, sondern darin, dass sie frei sind von dem, was Filme sonst meistens herstellen wollen: vom romantischen Gefühl. Der pornografische Film bietet inszenierte Sexualität ohne emotionalen Ballast, damit lässt sich das Publikum zielführender lenken. Ob die Inszenierung nun bei "XConfessions Night" eine spezifisch weibliche Ausrichtung hat, wird jede Zuschauerin für sich selbst entscheiden müssen.

Brave Mädchen tun das nicht, USA 2020 - R: Chris & Nick Riedell. Mit Lucy Hale, Leonidas Gulaptis. 94 Minuten. Verleih: Capelight Pictures

XConfessions Night. R: Erika Lust, Nuria Monferrer & Carolina Wallace. FSK 18. 115 Minuten. Verleih: Busch Media Group.

© SZ.de/kni/khil

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