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Popmusik:Schnittstelle zum Hirn

Elon Musk macht jetzt auch Musik - mit zweifelhaftem Erfolg. Sein neuer Techno-Track klingt nach einer Viertelstunde Zeitaufwand.

Hübsch, wie aus dem Nachnamen Musk durch simples Einfügen eines Buchstäbchens Musik wird! Weniger hübsch ist die Musik, die Elon Musk am Freitag auf den Streaming-Plattformen Soundcloud und Spotify veröffentlicht hat - der Track heißt "Don't Doubt Ur Vibe". Er klingt, als habe der Tech-Entrepreneur - der höchstwahrscheinlich schon bald eine E-Auto-Fabrik in Brandenburg hochziehen wird, der zum Mars fliegen und diesen besiedeln will, der gemeinsam mit der kanadischen Avant-Pop-Sängerin Claire Boucher alias Grimes gerade ein Kind erwartet und sich vermutlich sehr über die aktuellen Quartalszahlen und das Kurshoch bei Tesla freut - als habe also dieser streng getaktete Multi-Milliardär maximal 15 Minuten Zeit gehabt, um einmal auszuprobieren, wie weit vorangeschritten inzwischen sein Projekt Neuralink ist. Dieses soll Schnittstellen zwischen Gehirn und Computer entwickeln, und "Don't Doubt Ur Vibe" klingt exakt so, als habe Musk sich mit der Software verbinden lassen, um dann in Gedanken den Befehl zu formen: "Neuralink, programmiere mir einen Rave-Hit, zu dem ich beim nächsten Sommerfestival, beispielsweise bei Coachella, mit debil-beseeltem Grinsen und ausgestreckten Flugzeug-Armen über die große Bühne rennen kann!" Neuralink, auf Musik noch gar nicht trainiert, hat dann vermutlich einen unbeholfen preschenden Ego-Push-Sound ausgespuckt, den man in den Neunzigerjahren als Trance-Techno bezeichnet hätte.

Zweifel nicht an deinem Vibe, denn das bist du - vertonte Lebenshilfe à la Elon Musk

Melodisch ist das Synthie-Geböller merkwürdig sentimental gehalten, und dazu singt Musk dann mit stark roboterisierter Stimme: "Zweifel nicht an deinem Vibe, denn das bist du, zweifel nicht an deinem Vibe, denn er ist wahr". Interessant daran ist höchstens, dass Musk hier so auf den Vibe abhebt, dieses schwer ins Deutsche zu übersetzende Gemisch aus Ausstrahlung und Stimmung. Etymologisch liegt der Vibe nah an Vibrationen, Schwingungen, Wellenlängen. Aha, Elon Musk lässt sich also nicht nur von Technik leiten, sondern auch vom eigenen Bauchgefühl, von Intuition?

Nun ja, das passt doch ins Silicon Valley, für die Erkenntnis hätte man nicht unbedingt einen Track gebraucht, der hörbar macht, wie es in Elon Musks Kopf so klingt und der die Nähe zur Autoindustrie unbedingt noch dadurch betonen muss, dass der Plastik-Bass nach jedem Break, also nach jedem Wiederhereinknallen der Beats, herumschlingert wie ein Sportwagen in der Kurve. Jeder halbwegs sich selbst respektierende Musiker hätte den Schrott sofort gelöscht, oder ihn auf einem Memory-Stick begraben. Elon Musk wollte ihn aber veröffentlichen.

© SZ vom 04.02.2020
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