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Popkultur:Weg von den gestreamten Häppchen

Reden über ihr neues Album: Die Musiker von "Fazer" wollen zur Anhörung in den Bavaria Musikstudios erscheinen.

(Foto: Conny Mirbach)

Mit seiner Reihe "Die Anhörung" will der Münchner DJ und Kulturveranstalter Federico Sanchez dem Musikalbum als künstlerischer Form wieder mehr Geltung verschaffen

Von Jürgen Moises

Früher wurden dort unter anderem Schlager aufgenommen, heute werden in den Bavaria Musikstudios Filmsoundtracks, Klassikalben und Hörspiele produziert oder auch Filme und Serien synchronisiert. Außerdem proben die Münchner Philharmoniker in den Räumen, und wer vor der eher unscheinbaren Hausfassade in der Au steht, würde nicht vermuten, dass es dahinter ein Studio gibt, das so groß ist wie eine Turnhalle. Für den Münchner Musiker, DJ, Journalisten und Kulturveranstalter Federico Sanchez aka Pico Be ist es jedenfalls "ein Haus mit vielen Geschichten", und es ist auch ein Ort voll mit Musik. Das wird auch am kommenden Montag so sein, aber auf eine etwas andere Art und Weise. Denn dann findet dort die Anhörung von "Mara" statt, dem Debüt des jungen Münchner Jazzquintetts Fazer. Und das schon, bevor es am 16. März offiziell erscheint.

Anhörung heißt in dem Fall, dass Sanchez, den man in München unter anderem als Sänger der Bands Kamerakino und Das Weiße Pferd kennt, "Mara" in kompletter Länge vorspielt. Danach kann man mit den anwesenden Musikern von Fazer über ihr Album reden, auf dem sich afrikanische und Latin-Rhythmen mit Dub und melancholischen Jazz-Melodien verbinden. Mit der Besonderheit, dass mit Simon Popp und Sebastian Wolfgruber gleich zwei Schlagzeuger bei Fazer spielen.

Weitere Mitglieder der Band sind der Gitarrist Paul Brändle, der Trompeter Matthias Lindermayer und der Bassist Martin Brugger. Alle fünf Musiker spielen neben Fazer auch in anderen Formationen: Popp etwa bei Roosevelt und Hadern im Sternenhagel, Lindermayer in der Monika Roscher Big Band, Brändle in seinem eigenen Quartett und Brugger kennt man auch als Elektronik-Künstler unter dem Namen Occupanther. Die Idee, neue Musik aus München in Form einer öffentlichen Anhörung und als "Urvorführung" zu präsentieren, hatte Federico Sanchez schon vor zwei Jahren. Und tatsächlich ist er mit seiner Reihe "Die Anhörung", die vom Kulturreferat gefördert wird, schon bei Nummer 16 und in der dritten Staffel angelangt. Was er mit der Reihe vor allem erreichen will, das ist, dem Album im Zeitalter der gestreamten Internet-Musikhäppchen als künstlerischer Form wieder mehr Geltung zu verschaffen. Gern hätte er das an einem festen Ort wie etwa dem Kino im Kunstverein gemacht, wo die Anhörung auch schon dreimal stattfand. Das hat leider nicht geklappt, hat aber auch durchaus seine Vorteile. Denn indem die "Anhörung" von Ort zu Ort wandelt, entwickelt sie sich immer mehr zu einer Art Sound- und Kulturgeografie der Stadt.

Als nächste Termine stehen am 27. März bereits F.S.K. mit ihrem Album "Ein Haufen Scheiß und ein zertrümmertes Klavier" in der Lothringer 13 auf dem Plan, am 25. April die G.Rag/Zelig Implosion Deluxxe in dem Haidhauser Lokal "Polka". Danach folgt am 14. Mai Salewski im Theater Heppel & Ettlich, und am 24. Mai kann man an einem noch geheimen Ort das neue Album von Tom Wu anhören. F.S.K. fallen dabei insofern aus dem Konzept, als ihr Album schon 2017 herauskam. Aber es wurde, obwohl F.S.K. nach wie vor zu den einflussreichsten Münchner Bands zählen, laut Federico Sanchez "so wenig rezipiert", dass er es unbedingt mit aufnehmen wollte. Und genau das ist ja auch das Wunderbare an einem Album: Man kann es zu jeder Zeit ganz neu für sich entdecken, und wenn es gut ist, wieder und wieder und wieder hören.

Die Anhörung #16; mit "Mara" von Fazer, Montag, 12. März, 20 Uhr, Bavaria Musikstudios, Schornstraße 13

© SZ vom 09.03.2018

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