Pop Zartbittere Erkenntnisse

Auch auf ihrem neuen Album "Zweite Sahne" beschäftigt sich die Indie-Band "Goya Royal" mit den Absurditäten des Lebens. In der Milla kann man die Songs live hören

Von Jürgen Moises

Es sei ein "Terroristen-Lied" hat Leonard Cohen in einem Interview über seinen berühmten Song "First We Take Manhattan" gesagt. Mit dem erklärenden Zusatz, dass er mit Terroristen Menschen meint, die wie etwa auch Jesus, Freud, Marx oder Einstein kompromisslos für eine bestimmte Sache einstehen. Wenn Michael Kröger auf dem neuen Album "Zweite Sahne" von Goya Royal Cohens Song zitiert, dann tut er das knapp zwanzig Jahre später zwar in terroristisch stark geprägten Zeiten. Aber auch in einer Gegenwart, in der vieles irgendwie recht vage geworden ist. Es mag ja sein, dass man sich als Musiker in einer Rock'n'Roll-Band immer noch ziemlich rebellisch vorkommt. Nur, wofür oder wogegen soll man heutzutage denn noch rebellieren?

Das Lied, in dem Leonard Cohens Chorus anklingt, trägt deswegen auch den schönen Titel "Worldwide Conspiracy to do Something Kind of Vague". Ein Lied, das am Ende seine standardisierten Bestandteile ausstellt, wenn Michael Kröger die Textzeilen singt: "Intro Verse Chorus Verse Break Double Chorus Verse Double Chorus Break and finally Solo, let's rock." Oder ist da jetzt zu viel hineininterpretiert? Dass einem so etwas passieren kann, das liegt an Krögers lebensklugen, gewitzten und sprachspielerischen Texten, wie man sie auch von den beiden Vorgänger-Alben von Goya Royal kennt. Auch dort hatte der in Gröbenzell lebende Sänger, Gitarrist und Bandgründer Michael Kröger mit genauem Blick auf die Absurditäten des Lebens und der Liebe geschaut und dabei so manch bittere Erkenntnis in zärtliche Indiepop-Melodien gekleidet.

Zu diesen Erkenntnissen gehört auf dem Album "Zweite Sahne", das Goya Royal im Eigenvertrieb herausgeben und an diesem Donnerstagabend in der Milla vorstellen, etwa auch, dass die Würde des Menschen nur ein Konjunktiv ist. Denn auch im Prekariat kann man es sich doch schließlich ganz gut einrichten ("Prekariat"). Oder dass wir Deutsche nicht nur Dichter und Denker, sondern auch Richter und Henker sind, die andere nur deswegen verurteilen, um sich selbst besser zu fühlen ("Richter und Henker"). Oder dass auch die Liebe irgendwie etwas sehr Vages ist, wenn man sich im Park, Café oder beim Bäcker, aber nie zu Hause trifft ("In deiner Stadt"). Andere ziehen sich da lieber eskapistisch gleich ganz auf sich zurück ("Wenn es kalt wird") oder bauen sich eine Puppe nach dem Vorbild der Ex-Freundin, mit der sie dann am Frühstückstisch sitzen ("Puppenbau").

Als bittere Pille wird das alles aber wie gesagt von Goya Royal nicht serviert. Sondern mit humorvollen Spitzen und von Kröger und seinen Münchner Mitstreitern Wompl, Franz Selzle und Karin Reuter an Bass, Gitarre und Schlagzeug abwechslungsreich und kurzweilig verpackt. Mal rockig mitreißend, mal balladesk, charmant dahingeschrammelt oder in leicht folkloristischer Manier mit Mundharmonika und Mandoline. Songwriterisch ist das auf jeden Fall nicht zweite, sondern wieder einmal erste Sahne. Außer mit der "zweiten Sahne" ist gar nicht so etwas wie zweitklassig gemeint, sondern ein reichhaltiger und mindestens genauso leckerer Nachschlag. In dem Fall könnte man das als Werturteil durchaus so stehen lassen.

Goya Royal: Zweite Sahne, Donnerstag, 20. Oktober, 21 Uhr, Milla, Holzstraße 28, www.goyaroyal.de