bedeckt München 17°

Pop:Wir lieben es

Iggy statt Andy, Pop statt Warhol: Iggy Pop hat gerade mit einem Werbespot für die Deutsche Bahn die zweite Luft für einen Lauf.

Von Bernd Graff

Iggy Pop, dessen reizende Omahaftigkeit mit den Jahren deutlicher zutage tritt, hat gerade so etwas wie die zweite Luft für einen Lauf. Er und jedes seiner Haare, alle inzwischen 71, machen gerade Werbung für die Deutsche Bahn, die Haare mehr noch als er, wobei Iggy mit der Angstformel: "Geänderte Wagenreihung" zuletzt doch punktet. Mehr in seinem Metier bleibt Pop aktuell mit der Band "Underworld". Der blonde Indianer und die Hawaiihemd-Senioren Karl Hyde und Rick Smith fanden unter dem Kränzchen-Titel "Teatime Dub Encounters" zu vier neuen Stücken zusammen, für die das englische Wort "uplifting" erfunden wurde. Während das Underworld-Duo seine Computer wieder algorithmisch rumschrubben lässt, ergeht sich Iggy Pop in einem Sprechgesang ("I remember smoking on the airplane"), der stark an William S. Burroughs Einsatz in Laurie Andersons "Mister Heartbeat" aus dem Jahr 1984 erinnert. Und, so scheint es, einmal auf den Nostalgiegeschmack gekommen, isst Pop jetzt auch noch Hamburger vor laufender Kamera. "Auch" muss man sagen, weil Andy Warhol das 1982 in dem Film: "66 Scenes from America" des Dänen Jørgen Leth schon so gemacht hat. Im selben spartanischen Setting: nahezu leeres Studio, Stativ-Kamera, frontal gefilmt, kein Schnitt. Regie führt jetzt Kansas Bowling. Alles wie damals also: nur Iggy statt Andy. Pop tunkt an Warhols statt Fast Food ins Ketchup und isst es auch auf.

Die unwürdige Greisin kaut sich so durch im Video "Disaster (Is What We're After)" der Death Valley Girls. Ein reinrassiger Rock-Song der L.A.-Band, die 2016 mit "Glow in the Dark" ihr Debutalbum vorlegte. Iggy wippt ein bisschen mit, am Ende wischt er den Abfall vom Tisch und raunt, noch kauend, mit seinem Reststimm-Reibeisen: "Ich bin Iggy Pop, ich habe gerade einen Burger gegessen." Das ist alles? Yep!

"Wir glauben an Opti-Mystizismus und daran, die Menschen durch Rock'n'Roll miteinander zu verbinden", sagen dazu die Death Valley Girls. Strange. Aber: Wir lieben es.

© SZ vom 28.08.2018

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite