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Pop trifft Jazz:Seine andere Seite

Wolfgang Niedecken spielt gemeinsam mit den jungen Musikern des Bundesjazzorchesters alte "BAP"-Hits und aktuelle Songs in der Philharmonie

Als den deutschen, oder besser kölschen Bruce Springsteen kennen ihn alle. Hat doch Wolfgang Niedecken, als Sänger, Texter, Komponist und Frontmann von BAP seit 1976 mit 23 Alben (von denen elf die Nummer eins der Charts wurden) nicht nur eine der langlebigsten und erfolgreichsten deutschen Rockbands auf seinem Guthaben-Konto, sondern auch nebenbei das Unkeler Platt, einen besonders heftigen Kölschen Dialekt, im Rock verankert und verewigt. Die meisten Fans lieben ihn auch für sein soziales und politisches Engagement. Schon etwas weniger Leute wissen, dass Niedecken kein ausgebildeter Musiker ist, sondern von der Kunst kommt: freie Malerei hat er in Köln und New York studiert und abgeschlossen, bis heute malt er, macht Ausstellungen und gestaltet auch die meisten BAP-Cover selbst. Ganz wenige aber konnten sich bis dato vorstellen, dass Niedecken, 68, auch mit Jazz etwas am Hut hat.

Rock-Liedermacher Wolfgang Niedecken ist seit Jahren auch ein Bewunderer von Größen wie Miles Davis und Keith Jarrett.

(Foto: Robert Haas)

"Ich bin absolut kein Fachmann", erklärt Niedecken selbst, "aber habe zu Zeiten, als ich noch in der Hauptsache gemalt habe, viel Miles Davis und andere Größen gehört. Keith Jarrett läuft bis heute bei uns im Haus. Ich habe die Improvisationskunst der Jazzer immer bewundert". Eher zufällig ergab es sich dann, dass Niedecken das nicht nur aus der Ferne bewundern, sondern auf der Bühne mitgestalten konnte: 2004 nahm er mit Mike Herting als Dirigent und Arrangeur ein Album mit der WDR Bigband auf.

"Den Mike kannte ich schon, da gab es BAP noch gar nicht, da hat er noch in der Band Härte 10 gespielt, die ich sehr mochte. Wir sind immer in Kontakt geblieben, bis er mir dann dieses Projekt vorgeschlagen hat. Das hat Riesenspaß gemacht, weil sich alles so organisch ergeben hat. Es gab keinen Vorsatz, kein Muss. Seitdem mache ich immer wieder mal was mit der WDR Bigband. Und weil Mike ja auch mit dem BuJazzO arbeitet, kam irgendwann von ihm die Idee, doch auch mal mit denen zu spielen. Wir haben das dann 2017 in Köln und 2018 in Essen schon mal aufgeführt, jeweils in der Philharmonie, und das waren für mich jedes Mal unglaubliche, sensationelle Erlebnisse", berichtet Niedecken. Im Bundesjazzorchester, kurz BuJazzO, spielen und lernen seit nunmehr 30 Jahren die besten jungen deutschen Jazzer den Feinschliff. "Das ist sowas wie beim Fußball die Jugendnationalmannschaft", sagt Niedecken, "ein fantastisches Orchester. Nur wissen die meisten davon nichts. Deshalb finde ich es auch besonders schön, wenn es über mich Leute erreicht, die sich damit normalerweise nicht auseinandersetzen." Sein Kölsch-Repertoire im Jazz-Dialekt wiederzufinden, behagt Niedecken ausgezeichnet: "Als Kölscher singst du ja schon, wenn du redest. Man kann Worte ineinander fließen lassen, Endungen einschleifen, wie im Englischen oder Französischen." So passt der Dialekt perfekt zu seinen Songs nach anglo-amerikanischem Rockmuster - aber eben auch zu jazzigen Klängen. Ob alte BAP-Hits wie "Kristallnaach" oder "Verdamp lang her", ob aktuelle Stücke vom jüngsten Album, alle bekommen durch Hertings Arrangements, die Bigband-Dynamik und -Rhythmik ein anderes Gesicht mit neuen Facetten. In Köln und Essen kannte der Jubel des Publikums kaum Grenzen, eine echte Empfehlung also für den Besuch der Münchner Philharmonie, wenn im Klassiktempel Deutschrock mit Jazz veredelt wird.

Wolfgang Niedecken & Bundesjazzorchester , Dienstag, 16. Juli, 20 Uhr, Philharmonie, Rosenheimer Straße 5