Süddeutsche Zeitung

Pop-Poesie:Leben mit Lyrik

Jens Fischer Rodrian spielt mit Konstantin Wecker und ist Mitglied der "Blue Man Group". In seinem Soloprogramm will er sich nicht zwischen Lesung und Konzert entscheiden

Es ist schon eine Art Heimkehr, wenn der Multiinstrumentalist Jens Fischer Rodrian an diesem Donnerstag in der Bar Gabanyi auftritt. Denn der in Pinneberg Geborene wuchs vom zehnten Lebensjahr an in Murnau auf und ging mit 18 zum Studium ans Münchner Gitarreninstitut. Dort lernte er Gerd Baumann kennen - mittlerweile bekanntlich unter anderem Dreiviertelblut-Mastermind, Millaphon-Labelbetreiber und höchstdekorierter Filmmusikkomponist -, dem er bis heute im Duo Paradoz und als Konstantin-Wecker-Begleiter und -Produzent verbunden ist. Zusammen waren die beiden auch an der Grove School of Music in Los Angeles. Aus dem geplanten einen Studienjahr wurden bei Jens Fischer freilich sieben Jahre, nicht zuletzt, weil er 1995 als Mitglied zur Blue Man Group in New York kam.

Wie so oft in seinem Leben hat sich aus dem einen später das andere ergeben: Seit 2004 ist Fischer musikalischer Leiter der Berliner Dependance der Blue Man Group. Seitdem lebt er auch in der Hauptstadt, zusammen mit seiner Frau, der Jazzsängerin Alexa Rodrian, deren Namen er seither zusammen mit seinem führt und die er auch oft auf der Bühne begleitet. Eigentlich könnte all das schon abwechslungsreich genug sein, doch Fischer Rodrian ist auch noch Produzent von Max Prosa oder Tim Neuhaus, betreibt sein eigenes mobiles "Kofferstudio", schreibt preisgekrönte Scores für Dokumentar- und Kurzfilm "Stiller Löwe" oder "Different Bayern" und veröffentlichte von 2012 an auch bereits vier instrumentale Soloalben.

Vor vier Jahren trat dann auch noch die Lyrik in sein Leben. Es fielen ihm Gedichte ein, die er aufschrieb, und was er erst für eine Phase hielt, blieb. 2017 brachte er die gesammelten Werke im Gedichtband "Sich kurz fassen - ach" heraus. Schon zuvor hatte ein Kurzfilm-Regisseur einen Song, den Max Prosa singen sollte, lieber in der von Fischer selbst gesungenen Demoversion genommen - was Fischer zur intensiven Beschäftigung mit der eigenen Stimme anregte. So erarbeitete er ein Jahr lang das Programm "Wahn & Sinn" und probierte es bei ein paar Konzerten aus. Zusammen. ,"Wahn & Sinn' fasst perfekt vielen Ideen zusammen, die sich im Laufe der Jahre angesammelt haben bei meinen verschiedensten Tätigkeiten", sagt Fischer. Soeben ist es als erstes Fischer-Album mit Gesang erschienen, und auf der Tour, die ihn jetzt in die Bar Gabanyi führt, gibt es nun live eine immer wieder überraschende, mitunter skurrile Mischung aus Konzert (mit Mini-Keyboard und Zirkusschlagzeug), Lesung, Spoken Word Performance und Theater zu erleben.

Jens Fischer Rodrian, Do., 23. Mai, 20.30 Uhr, Bar Gabanyi, Beethovenplatz

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Quelle:
SZ vom 23.05.2019
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