Neues Album von Janet Jackson Die Maschinen-Janet mischt sich mit der superlasziven Janet

Zwar war Marvin Gaye 1982 mit "Sexual Healing" der erste gewesen, der die kalt anmutenden Beats dieser Maschine für die schwarze Musik, hier für den Rhythm'n'Blues, auf völlig einleuchtende Weise nutzte. Doch Jam & Lewis waren es, die diesen Synthesizer-R&B dann perfektionierten. Das Eingepanzerte, das Janet Jackson zwischen den elektronischen Sounds in Hits wie "Control" oder "Rhythm Nation" hatte, wurde optisch durch die kantigen Uniformen und betont zackigen Choreografien in ihren ikonischen Musikvideos unterstrichen. Ohne diese Pionierarbeit an der beseelten Robotik wären die heutigen Maschinen-Göttinnen-Performances von R&B-Stars wie Beyoncé und Rihanna undenkbar.

Weil man doch atmen muss

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Auf "Unbreakable" ist es nun aber so, dass sich die Maschinen-Janet, wenn man sie so nennen will, mit der superlasziven Janet der Neunzigerjahre mischt. Denn die zweite große Phase der Karriere von Janet Jackson bestand gewissermaßen in der Umkehrung der Robo-Frau: Auf ihren Alben "Janet." (1993) und vor allem "The Velvet Rope" (1997) legte sie sich auf fußbodenbeheizte Rhodes-Teppiche und andere kuschelige Analog-Sounds, pries die sexuelle Befreiung und Masturbation. Mit Joni-Mitchell-Samples im Hit "Got 'Til It's Gone" wagte sie sich sogar ganz unpeinlich in die Sphäre des Hippiehaften. Irgendwie hatte man seitdem immer den Eindruck, dass es eigentlich zwei Janet Jacksons gibt - zwei voneinander separierte musikalische Identitäten, vielleicht auch eine gespaltene Persönlichkeit.

Auf "Unbreakable" vereint Janet Jackson ihre beiden Seiten nun sozusagen selbst, exemplarisch im Song "Dammn Baby", in dem obenrum nervöse Hi-Hats schwirren - so wie im aktuell angesagten Hip-Hop-Stil Trap -, während unten eine nach Achtziger-Retro klingende Plastik-Basslinie federt. Jackson singt dazu in zig Verdopplungen ihrer eigenen Stimme im Chor von "plush" - Plüsch.

Den ersten Sprung machte ihre Karriere, nachdem sie ihren Vater als Manager gefeuert hatte

All dies tut sie nun erstmals auch auf einem eigenen Label: Nach bisher 160 Millionen verkauften Tonträgern hat Jackson die Universal-Gruppe verlassen und in Partnerschaft mit Bertelsmann eine eigene Firma nur für sich gegründet: Rhythm Nation Records. Das lässt daran denken, dass ihre Karriere eigentlich immer dann einen kreativen Sprung machte, wenn sie sich von alten Zwängen löste. Zum Beispiel 1986, als sie ihren Vater als Manager feuerte, ihre Karriere in die eigene Hand nahm und dann mit "Control" tatsächlich der Durchbruch folgte. Befreiungsschlag, musikalische Lockermachung, Liebes- und Trauerarbeit, alles in einem: Das klingt irgendwie nach einem Traum. "Unbreakable" ist aber wirklich einer.

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