"Knock Knock" von DJ Koze Der Klang der Erinnerungen beim Verblassen

House darf auch Spaß machen: Stefan Kozalla alias DJ Koze.

(Foto: Gepa Hinrichsen)

So gut war er noch nie: DJ Kozes famoses neues Album "Knock Knock".

Von Jens-Christian Rabe

Dafür, dass sie der Soundtrack des organisierten Kontrollverlusts ist, ist elektronische Clubmusik oft eine erstaunlich strenge Angelegenheit. Aber gut. Aus Spaß wurde Ernst in den Höhlen des Hedonismus dieser Welt, und längst müssen alle erst mal zusehen, dass sie drei Tage wach bleiben. Die Musik von Stefan Kozalla alias DJ Koze flatterte in dieser Welt dagegen immer etwas schwereloser herum. Ohne sich dabei allerdings an die Albernheit zu verkaufen - oder an den billigen Dance und seine käsigen Trottel-Refrains.

Auf dem letzten Album "Amygdala" hieß 2013 ein Song "Nices Wölkchen" und exakt so, wie einem dieser Titel durch die Birne über die Zunge aus dem Mund fällt, exakt so klingt die Kunst dieses klügsten und cleversten aller Stimmungspuzzler der elektronischen Musik.

Und jetzt kommt das Beste: Vielleicht war er auf der Strecke eines ganzen Albums noch nie so gut wie auf seiner neuen Platte "Knock Knock" (Pampa), auf der einem mit Kurt Wagner von Lambchop, Justin Vernon von Bon Iver, Róisín Murphy, Speech von Arrested Development oder José González auch noch ein paar der hinreißendsten Indiepopstimmen der Gegenwart auflauern.

Im engeren Sinne neu ist hier natürlich gar nichts, die Songs wurzeln vielmehr auffällig tief in den Neunzigern, "Moving in a Liquid" oder "Pick Up" zum Beispiel im federleicht pumpenden French House, "Colours of Autumn" mit Speech im zurückgelehnten Indie-Hip-Hop; "Muddy Funster" mit Kurt Wagner im sphärischen Indie-Elektro. Der eine oder andere Housemeister hat schon zornig darauf hingewiesen.

Aber darum, irgendwem den Weg weisen zu wollen in die experimentelle Clubmusik des 22. Jahrhunderts, ging es DJ Koze auf dieser Platte unüberhörbar eben genau überhaupt nicht. "Knock Knock" ist weniger ein klassisches Album als ein sehr rundes Mixtape, mit dem die Dinge bis auf Weiteres schön locker in der Schwebe gehalten werden sollen, auch wenn der Tanzflur immer häufiger in der Wohnküche liegt. Musik, mit der man ohne Schwermut seinen Erinnerungen beim Verblassen zuhören kann.