Pop Den Ortswechsel wagen

Die Exil-Bayern von Frittenbude verlassen ihre neue Heimat Berlin für ihren Auftritt am Samstag.

(Foto: Bastian Bochinski)

Das Modular-Festival mit nationalen und internationalen Indie-Bands findet in diesem Jahr erstmals auf dem Gaswerk-Gelände in Augsburg-Oberhausen statt

Von Jürgen Moises

Der Vorverkauf lief gut, die Drei-Tages-Tickets waren relativ schnell ausverkauft. Und das, obwohl das Modular-Festival zum ersten Mal auf dem Gaswerk-Gelände in Augsburg-Oberhausen stattfindet und nicht mehr wie in den vergangenen sechs Jahren im Wittelsbacherpark und im Kongress im Park. Das klingt doch nach einem guten Zeichen - danach, dass das Publikum dem Veranstalter, dem Stadtjugendring Augsburg, treu bleibt. Oder danach, dass die Neugierde auf das neue Gelände größer ist als die Trauer um den alten Ort. Dort musste das Musik- und Jugendfestival weichen, weil es wiederholt Beschwerden gab wegen Lärm und der Belastung der Naturflächen. Mit der Folge, dass die Stadt Augsburg 2017 bei einem Bürger-Talk das Gaswerk-Areal als Alternative vorschlug. 2018 hat man sich dann auf den Ortswechsel geeinigt.

Für das Festival bedeutet das nun, dass es seine zentrale Lage und gewissermaßen auch den Hotelturm am Wittelsbacherpark als inoffizielles Wahrzeichen verliert. Dafür könnte sich der Gaskessel als "Maskottchen" etablieren. Und darüber, wie man den rund 10 000 täglichen Besuchern die teilweise etwas erschwerte Anreise erleichtert, hat man sich in Augsburg ebenfalls Gedanken gemacht. So werden in diesem Jahr die Festival-Tickets erstmals auch als Nahverkehrs-Tickets gelten. Außerdem wird täglich von 18.30 bis 1 Uhr eine extra dafür eingesetzte Modular-Straßenbahn zwischen dem Königsplatz in Augsburg und dem Bischof-von-Zollern-Platz in Oberhausen verkehren. Und weil es am Gaswerk nur wenige Parkplätze gibt, wird den Besuchern zur Benutzung der Tram oder alternativ von Fahrrädern geraten.

Ebenfalls neu ist, dass es anstatt der großen "Bühne am Turm" nun eine "Bühne am Kessel" gibt. Mit rund 8500 Besuchern haben davor nun sogar ein paar Leute mehr Platz, und ein weiterer Vorteil: Die Veranstalter dürfen die Verstärker dort wieder etwas lauter aufdrehen (für Beschwerden gibt es wie früher ein Anwohnertelefon). Ansonsten darf man sich wie immer auf ein spannendes, vielseitiges Programm freuen, mit nationalen und internationalen Indie-Bands. Dazu zählen am Donnerstag die Berliner Trashpunker Bonaparte und die multinationale Indiepoptruppe Superorganism. Am Freitag kann man die in München geborene und in Wien lebende Rapperin Ebow und die Hip-Hop-Truppe Die Orsons erleben, am Samstag die Berliner Elektropunker Frittenbude (auch sie Exil-Bayern) sowie die Indiepop-Band OK Kid aus Köln.

Auf der kleineren "Bühne im Park" gibt es ebenfalls einige Highlights, darunter etwa die Konzerte der Berliner Rapperin Antifuchs, des österreichischen Indiepop-Duos Cari Cari oder der niederländischen Band Altin Gün, die mit ihrem türkischen Psychedelic-Rock erst vor ein paar Wochen in der Münchner Milla begeistert hat. Mit der "Bühne im Theater" bekommen regionale Nachwuchskünstler wie Carpet oder Ami Warning ihr Forum und in der "Bühne am Bauwagen" finden Interviews mit Musikern statt. Videokunst, Performances und Kunstaktionen, die gibt es ebenfalls wieder. Genauso wie die Aftershow-Partys, die aber nicht auf dem Gaswerk-Gelände stattfinden, das um 1 Uhr geschlossen wird. Sondern an Orten wie dem City-Club, dem Hallo Werner, Oh Boi oder Bungalow. Womit das Festival zumindest spät in der Nacht dann doch wieder in die Augsburger Innenstadt zurückkehrt.

Modular-Festival 2019, Do.-Sa., 20.-22. Juni, Gaswerk Augsburg-Oberhausen, August-Wessels-Straße 30, modular-festival.de