Pop-Charts 2018Die besten Alben des Jahres

Cupcakke sammelt Penisse, Haiyti ist der Star, den dieses Land eigentlich noch gar nicht verdient. Und auch ansonsten zeigen die Highlights der Redaktion, wie weiblich, menschlich und politisch der Pop 2018 war.

Camp Cope - "How to Socialise & Make Friends" (Run for Cover)

Die wichtigste, relevanteste und zeitgeistigste Platte ist in diesem Jahr beinahe ungehört am Rest der Pop-Welt vorbeigezogen. Und weil das nicht sein darf, hier eine kleine Würdigung: "How to Socialise & Make Friends" (Run for Cover) heißt sie - aufgenommen von Camp Cope aus dem australischen Melbourne. Und sie ist nichts weniger als ein feministisches Manifest, getextet aus den schmerzlich realen Alltagserlebnissen von drei jungen Frauen. Neun rasend zornige Songs über unbewusste und bewusste Manipulationen, übergriffige Dates, antrainierte weibliche Selbstsabotage und den Machismo der männlichen Musikbranche: "It's another man telling us we can't fill up the room / It's another man telling us to book a smaller venue." Ein Album, das der einen Hälfte der Menschheit die Geschichten schenkt, die tatsächlich von ihr handeln. Und der anderen Hälfte die Chance, zu spüren, wie viel komplizierter es leider tatsächlich noch ist, als Frau durch diese Welt zu gehen. 2018 war das Jahr, in dem Künstlerinnen den alten Onkel Gitarrenmusik retteten. Lindsey Jordan alias Snail Mail. Julien Baker, Phoebe Bridgers und Lucy Dacus von boygenius. Oder Sophie Allison als Soccer Mommy. Alles unfassbar gute Platten. Aber nirgendwo donnerte einem die ganze beschissene Welterfahrung so dringlich entgegen. Nirgendwo war die Solidarität der Nicht-mehr-länger-Schweigenden stärker zu spüren als bei Camp Cope. Von Julian Dörr

Bild: Run For Cover Records 21. Dezember 2018, 05:302018-12-21 05:30:11 © sz.de/biaz/crab