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Pop:Charlotte Brandi

(Foto: Maxim Abrossimow/Four Artists)

Wenn sich eine tolles Duo auflöst, ist das für seine Anhänger erst einmal ein Grund für schlechte Laune. Besonders, wenn es irgendwie eigentlich noch am Anfang stand, stets gute Arbeit abgeliefert und sich nie seltsam verhalten hat. Da hätte noch so viel kommen können. Aber nein, vergangenen Herbst verkündetes das Berliner Indiepop-Duo Me And My Drummer seine Auflösung. Mehr als ein "Acht Jahre Bandgeschichte, zwei EPs, zwei Alben, ca. 400 Shows - das war's" kam nicht mehr. Schlagzeuger Matthias Pröllochs, also "My Drummer", und Sängerin Charlotte Brandi, das "Me", schrieben auf einige wenige Elemente reduzierte Songs, die auf den beiden Alben "The Hawk, The Beak, The Prey" und "Love Is A Fridge" erschienen. Ihre Musik bewegte sich immer an der Grenze zum Sphärischen, etwas Geheimnisvolles lag darin, eine Ernsthaftigkeit, auch in Brandis hoher Stimme, die dazu führte, dass sich das Publikum bei Konzerten maximal zu andächtigem Nicken hinreißen ließ. Anders gesagt: wirklich bedauerlich, diese Auflösung. Umso erfreulich allerdings, dass Charlotte Brandi verkündete, solo weitermachen zu wollen. Und noch besser, dass sie es dann auch sofort tat. Gerade ist ihr Album "The Magician" (Pias Recordings) erschienen. Darauf traut sie sich, den Sound von Me And My Drummer weitgehend hinter sich zu lassen, und die Spannweite ihres Könnens ist noch viel größer als gedacht. "My Days In The Cell" zum Beispiel ist eine Rumba, in der sie ihre Kindheit im Ruhrgebiet mit hallender Stimme besingt. Einige Songs sind soulig und bluesig, inklusive schubiduender Frauenchöre. Bei "Aliferous" macht sich ihre Stimme in schwindelerregende Höhen auf, und auch für sphärische, fast sakrale Klänge hat sie noch ein Plätzchen gefunden, etwa in "A Word" oder dem Klavierstück "Sitting Bull". Den letzten Track "New Linen" beendet Charlotte Brandi mit, kein Witz, Feuerwerksgeräuschen. Das könnte manchem Me-And-My-Dummer-Puristen zu viel sein, aber Brandi hat sich diese kleine Party zur Feier dieses gelungenen Starts in die Solo-Karriere auf jeden Fall verdient. Wenn nur aus jeder Trennung so etwas Gutes entstünde.