Bruno Sanfilippo - "Pianette" (Ad21)

Meistens wird der argentinische Pianist und Komponist Bruno Sanfilippo der zeitgenössischen klassischen Musik zugerechnet. In die Ecke gehört er genauso (oder genauso wenig) wie Chilly Gonzales, Hauschka oder Keith Kenniff, der seine verträumten Klavierstücke unter dem Namen Goldmund veröffentlicht. Es gibt inzwischen eine ganze Reihe von Klaviersolisten, die ihre Einflüsse durchaus aus der Klassik beziehen, vor allem Frédéric Chopin und Erik Satie sind als Paten oft rauszuhören, gelegentlich auch Philip Glass und Steve Reich. Ob man das aber jetzt im eigentlichen Sinne klassische Musik nennt oder eher Instrumentalpop oder noch mal ganz was anderes, ist eine sehr akademische Frage. Auf seinem neuen Album "Pianette" (Ad21) entwirft Sanfilippo Miniaturen, sehr zart, sehr behutsam, über ein freundliches Adagio geht es nie hinaus. Melodien doppelt er gern in Oktaven, darunter perlen sachte die Akkorde, manchmal steht er mit einem Bein schon halb im "Ave Maria". Er zeigt zwar weder den Mut von Hauschka, noch den Witz von Gonzales. Aber Romantiker, die sich an ihrem Soundtrack zur "Fabelhaften Welt der Amélie" langsam sattgehört haben, könnten mit "Pianette" glücklich werden. Von Max Fellmann

18. Januar 2019, 06:112019-01-18 06:11:14 © sz.de/biaz/crab