Alben der WocheTrifft den Zeitgeist wie Hamlet seinen Papa

James Blake steht kurz davor, das "Ti Amo" des identitätsgrübeligen Digitalzeitalters zu schreiben. Die Deerhunter stellen sich den ganz großen Themen und Joe Jackson bleibt einer von den Guten.

Joe Jackson - "Fool" (Earmusic/Edel)

Joe Jackson ist ein komischer Vogel. Dieses Jahr begeht der Engländer das 40. Jahr seiner Popkarriere, und während man bei anderen an so einem Punkt gern mal schaut, was für Höhen und Tiefen es in der langen Zeit gab, finden sich bei Jackson alle Hakenschläge gleich in den ersten zehn Jahren. Da wollte der Mann das Besondere um jeden Preis. Nach zwei, drei tollen Pop-Platten veröffentlichte er ein Swing-Album (als Swing gerade keinen interessierte); später eine Platte, die live vor Publikum aufgenommen wurde - alle Zuschauer mussten sich verpflichten, keinen Mucks zu machen; dann einen Filmsoundtrack; eine Klassikplatte; ein Doppelalbum, auf dem nur drei Seiten bespielt waren; später eins, bei dem alle Stücke zu einer durchgehenden Kette komponiert waren. Dann ging ihm die Puste aus. In den folgenden 30 Jahren veröffentlichte er weiter Musik, aber eher unauffällig. Auch auf dem neuen Album "Fool": abgeklärter Elder-Statesman-Pop, Melodien, die gut ins Ohr gehen, aber nie die Unvergesslichkeit seines einen Riesenhits "Steppin' Out" erreichen. Trotzdem, Joe Jackson ist einer von den Guten. Von Max Fellmann

Bild: dpa 18. Januar 2019, 06:112019-01-18 06:11:14 © sz.de/biaz/crab